Die im Gazastreifen herrschende Palästinenserorganisation Hamas hat erstmals seit ihrer Gründung vor fast 30 Jahren ihr politisches Programm verändert. Die islamistische Organisation deutete in einem in Doha (Katar) veröffentlichten Papier die Bereitschaft an, einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 zumindest zeitweise zu akzeptieren. Dies bezieht sich auf die Lage vor der Besetzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems durch Israel.

Hamas bekräftigte jedoch gleichzeitig den Willen zum bewaffneten Widerstand gegen Israel, den Anspruch auf das gesamte historische Palästina sowie die Forderung nach einer Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge. Hamas distanzierte sich außerdem von der Muslimbruderschaft in Ägypten, aus der sie vor knapp drei Jahrzehnten hervorgegangen war.

Die Palästinenserorganisation betonte, dass ihr Konflikt mit Israel einen politischen und keinen religiösen Charakter habe. Das Dokument unterscheidet zwischen Juden "als religiöse Gemeinschaft auf der einen Seite und der Besatzung und dem zionistischen Projekt auf der anderen Seite".

Die nun veröffentlichte Ergänzung der Hamas-Charta aus dem Jahr 1988 besteht aus 42 Punkten. Das Dokument wurde zeitgleich mit einer Pressekonferenz des im Exil lebenden Hamas-Chefs Chalid Maschal in Doha ins Internet gestellt. Mit der ersten Änderung der Hamas-Charta versucht die Palästinenserorganisation nach Einschätzung von Experten, künftig in internationale Nahostverhandlungen einbezogen zu werden und ihre Beziehungen zu westlichen Ländern, den Golfstaaten und Ägypten zu verbessern.

"Hamas hält die Welt zum Narren"

Die israelische Regierung wies das Papier, das noch am Montag veröffentlicht werden sollte, umgehend als Täuschungsmanöver zurück. "Die Hamas versucht die Welt zum Narren zu halten, das wird ihr aber nicht gelingen", erklärte ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Israel, die EU und die USA stufen die Hamas als "terroristisch" ein, sie wird von Israel und anderen als antisemitisch verurteilt. Im Februar war der Hardliner Jihia al-Sinwar zum neuen Hamas-Chef im Gazastreifen gewählt worden. Die Organisation hatte 2007 gewaltsam die Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Seitdem haben die Palästinenser de facto zwei Führungen. Im Westjordanland herrscht die gemäßigtere Fatah des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas.

Die Hamas veröffentlichte das Dokument am jenem Tag, an dem Israel aller in Kriegen und Konflikten getöteten israelischen Soldaten sowie aller Zivilisten, die bei Attentaten ums Leben kamen, gedenkt. Am Dienstag begeht Israel außerdem den 69. Jahrestag seiner Staatsgründung im Jahr 1948.