Bundeskanzlerin Angela Merkel beeilte sich, den Schritt "symbolisch" zu nennen: Die westliche Verteidigungsallianz Nato beschloss auf ihrem Gipfel in Brüssel, sich künftig als Organisation am Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu beteiligen. Eine Ausweitung des deutschen Einsatzes bedeute dies nicht, stellte Merkel gleich bei ihrer Ankunft am neuen futuristischen Nato-Hauptquartier fest. Anders als im Falle Afghanistans übernimmt die Verteidigungsallianz keine Führungsfunktion innerhalb der Koalition aus 68 Staaten (darunter ohnehin schon alle 28 Nato-Staaten), die sich gegen den IS engagieren. Sie tritt ihr lediglich als weiteres Mitglied bei, um Expertise beizutragen und einen Platz am politischen Tisch zu haben, wie es in Brüssel hieß.

Der Eintritt der Nato in den Anti-IS-Kampf ist, könnte man finden, also tatsächlich nicht mehr als eine Geste der Geschlossenheit, die ohnehin überfällig war, vor allem nach dem entsetzlichen Anschlag der islamistischen Terrorgruppe in Manchester.

Diese Lesart ist aus zwei Gründen etwas leichtfertig. Zum einem hatte US-Präsident Donald Trump schon lange vor dem Anschlag in Großbritannien gefordert, die Nato müsse sich nicht nur als Ganzes, sondern auch ganz anders in den Kampf gegen den IS einbringen. Die Bundesregierung hielt dies lange Zeit für keine gute Idee; man habe dem IS keinen weiteren Grund geben wollen, sich "noch weiter gegen den Westen zu ideologisieren", wie es ein Diplomat formuliert. 

Trumps neue Strategie gegen den IS

Der Beschluss ist also ein Zugehen auf Trump. Dies allein müsste nicht verkehrt sein, wenn man davon ausgeht, dass es für die Tiefe des Hasses des IS auf den Westen keine Rolle spielt, ob ein europäisches Land sich nun als Nato-Land am Widerstand gegen den Islamismus beteiligt.

Allerdings kommt der Schritt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung die Kampagne gegen die Islamistenarmee in zwei wichtigen Hinsichten ändert. Trump will, kurz gesagt, so viele IS-Kämpfer in Syrien und im Irak töten lassen wie möglich, und er will damit selbst nur so viel zu tun haben wie unbedingt nötig.

Während der US-Präsident sich auf den Weg in den Nahen Osten und nach Europa machte, erklärte sein Verteidigungsminister James Mattis am vergangenen Freitag daheim im Washingtoner Pentagon, welche Veränderungen Trump nach einer Überprüfung der Anti-IS-Kampagne beschlossen habe. Es sind zwei, eine taktische und eine strategische.

Trump will den Generälen künftig grundsätzlich freie Hand darüber lassen, welche Operationen sie führen und wie sie das tun. Und: Statt es zuzulassen, dass sich IS-Verbände im Irak und in Syrien immer wieder verteilen und neu ordnen können, sollen sie künftig erst eingekreist und dann in Zermürbungsschlachten (attrition fights) aufgerieben werden. Durch Belagerungen seiner Hauptstandorte, so Verteidigungsminister Mattis, solle der IS vernichtet (annihilate) werden.