Die Österreicher wählen am 15. Oktober vorzeitig ein neues Parlament. Auf diesen Termin haben sich nach Angaben der liberalen Neos alle Fraktionen am Dienstag in Wien geeinigt. Die seit Langem stark zerstrittene rot-schwarze Koalition aus sozialdemokratischer SPÖ und konservativer ÖVP war vor wenigen Tagen zerbrochen. Grund war gegenseitiges Misstrauen und damit die Blockade von Sachpolitik. Das Bündnis regierte seit Ende 2013.

Regulärer Wahltermin wäre im Herbst 2018 gewesen. Bei der vorgezogenen Wahl kommt es laut Umfragen zu einem Dreikampf um das Amt des Bundeskanzlers. Neben Kanzler Christian Kern (SPÖ) und dem designierten ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat auch der Vorsitzende der rechten FPÖ Heinz-Christian Strache gute Siegeschancen.

Bis zum Wahltermin will Kern mit wechselnden Mehrheiten regieren. Es gehe nun um einen "Streit um die besten Ideen", sagte er. Kern hatte an Kurz appelliert, nach dem Rücktritt von Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner den Vizekanzler-Posten zu übernehmen. Das hatte dieser jedoch abgelehnt, weil er als Außenminister zu viel reisen müsse.

Statt seiner soll nun der parteilosen Justizminister Wolfgang Brandstetter den Vize-Posten übernehmen. Er sei nicht in den Regierungsstreit einbezogen gewesen, sagte Kurz. Das mache eine "würdevolle" Zusammenarbeit in den kommenden Wochen leichter. Eine inhaltliche Kooperation schloss auch Kurz nicht aus: "Ich fühle mich an das Koalitionsabkommen gebunden."

"Wir wollen eine Phase des Stillstands vermeiden", sagte Kern. Der Postenpoker müsse beendet werden. Bereits verhandelte Konzepte zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und eine Staatsreform sollten noch vor Neuwahlen beschlossen werden. Als sichtbares Zeichen des Koalitionsbruchs saßen die Minister entgegen der üblichen Gepflogenheiten nach Parteien getrennt auf der Regierungsbank.

Für eine Mehrheit im Parlament braucht die SPÖ 92 der 183 Stimmen. Die Kanzlerpartei SPÖ hat 52 Mandate, die ÖVP 51, die rechte FPÖ 38, die Grünen 24, die liberalen NEOS 8 und die Partei des österreichisch-kanadischen Milliardärs Frank Stronach 6. Zusätzlich sind vier Politiker fraktionslos. Drei von ihnen haben eine politische Vergangenheit in der FPÖ.