Nach dem zornigen Rücktritt des ÖVP-Vizekanzlers Reinhold Mitterlehner, dessen Partei seit Sonntag von Sebastian Kurz mit großer Machtfülle geführt wird, soll nun auch Eva Glawischnig, die Bundessprecherin der Grünen, kurz davor stehen, ihr Amt aufzugeben – und das nur fünf Monate vor den vorgezogenen Neuwahlen zum Nationalrat am 15. Oktober.

Ihr Rückzug könnte sogar noch diese Woche, auf alle Fälle aber vor dem Sommer erfolgen, erzählen Funktionäre, die über die Personalrochade informiert sind – selbst Teile der grünen Parlamentsfraktion werden im Unklaren über den bevorstehenden Wechsel an der Parteispitze gehalten.

Wer Glawischnig nachfolgen soll, ist noch unklar. Über die Nachfolgerin oder den Nachfolger berät derzeit ein enger Führungszirkel, in dem der grüne Parteistratege Dieter Brosz eine Schlüsselrolle spielt. Vereinbart wird das letztlich wohl zwischen den beiden einflussreichen Landesgruppen aus Niederösterreich und Wien. Genannt werden unter anderem die Tiroler Chefin der Grünen Ingrid Felipe, ihre Salzburger Kollegin Astrid Rössler und die EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek. Chancen werden auch dem grünen Justizsprecher Albert Steinhauser eingeräumt.

Die innerparteiliche Kritik an Eva Glawischnig war zuletzt immer größer geworden. Vor wenigen Wochen wurde der gesamten Jugendorganisation von der Parteiführung der Stuhl vor die Tür gestellt - ein Vorgehen, das viel Unverständnis hervorrief und zu großen Verwerfungen unter den Grünen führte.

Glawischnig kam über die Umweltschutzorganisation Global 2000 zu den Grünen und ist seit 2006 Bundessprecherin der österreichischen Grünen. Sie folgte in dieser Funktion dem jetzigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen.