Der Kampf um die philippinische Großstadt Marawi auf der Insel Mindanao im Süden des Landes hat etwa 100 Todesopfer gefordert. Am Wochenende sind Regierungstruppen mit Panzern und Artillerie gegen islamistische Rebellen vorgegangen, die seit Dienstag versuchen, Marawi zu erobern. Die Rebellen haben Teile der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Angaben des Militärs sind unter den Toten 61 Rebellen. Die Regierung beklage den Tod von 13 Soldaten und vier Polizisten. Zudem seien mindestens 18 Zivilisten umgekommen.

Bis zu 90 Prozent der mehr als 200.000 Einwohner Marawis seien auf der Flucht, sagte ein Behördensprecher. Mehr als 2.000 Menschen sollen noch in umkämpften Stadtbezirken eingeschlossen sein. Die Provinzregierung rief die Betroffenen auf, sich in ihren Häusern zu verschanzen.

"Die Offensive geht weiter", sagte der Armeesprecher der Regierung Jo-ar Herrera. "Sie können fliehen, sich aber nicht verbergen." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Regierung die Kontrolle zurück erlange.

Die örtliche Polizei teilte mit, acht Männerleichen in einer Schlucht unweit eines Kontrollpostens des Militärs gefunden zu haben. Nahe der Universität habe man zudem die Leichen von drei Frauen, einem Kind und vier Männern geborgen. In einem Krankenhaus hätten die Rebellen zwei Mitarbeiter getötet.

Am Dienstag hatten Islamisten der Terrorgruppe Maute die Stadt Marawi 800 Kilometer südlich von Manila angegriffen. Maute hat der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Treue geschworen, ist aber unabhängig von den Kämpfern in Syrien und im Irak organisiert.

Nach dem Angriff auf Marawi verhängte Präsident Rodrigo Duterte das Kriegsrecht über die Region und ließ Rebellenstellungen bombardieren. "Wir tun unser Bestes, um die Gegend so schnell wie möglich zu räumen", erklärte ein Militärvertreter. "Wir entschuldigen uns bei unseren muslimischen Brüdern für die Störung am ersten Tag des Ramadan", sagte er weiter.

Die Verhängung des Kriegsrechts hat Auswirkungen über den Kampf gegen Maute hinaus. Das Kriegsrecht gefährdet die Friedensgespräche der Regierung mit den kommunistischen Rebellen der 1986 gegründeten Neuen Volksarmee. Die kommunistischen Rebellen hätten ihren Kämpfern bereits verstärkte Angriffe befohlen, sagte Dutertes Sprecher Ernesto Abella am Samstag. Deshalb habe die Regierung die Gespräche ausgesetzt. Beide Parteien hatten sich im April auf einen Waffenstillstand geeinigt, die Bedingungen dafür aber noch nicht ausgehandelt.

Duterte drohte unterdessen damit, das Kriegsrecht auf das gesamte Land auszudehnen. Zur Begründung sagte er, die islamistischen Milizen hätten inzwischen auch im Zentrum und im Norden der Philippinen Fuß gefasst.

Muslimische Aufständische kämpfen seit vier Jahrzehnten gegen die Regierung des mehrheitlich katholischen Landes. Mehr als 120.000 Menschen wurden bei diesen Konflikten bereits getötet. In der Region Mindanao verüben Mitglieder islamistischer Gruppen in ihrem Kampf für Unabhängigkeit oder Autonomie regelmäßig Anschläge.