Rund einen Tag nach dem Hackerangriff auf das Wahlkampfteam von Emmanuel Macron ist klar: Die geleakten Dokumente des französischen Präsidentschaftskandidaten wurden vor allem vom Front National und ihm nahe stehenden rechtsextremen Gruppen verbreitet. Macron liegt in den Umfragen deutlich vor seiner Front-National-Konkurrentin Marine Le Pen. Rechtsextreme Medien aus den USA sowie französische Foren von FN-Anhängern spekulierten wild über den Inhalt der mehr als neun Gigabyte persönlichen Daten.

So überschattet der riesige Datenklau die Präsidentschaftswahlen am Sonntag. Aber die Menge ist erstens zu groß, um bis dahin prüfen zu können, ob sie echt und relevant sind. Und zweitens darf kein Medium über die Macron-Leaks berichten. Denn seit Freitag Mitternacht untersagte die französische Wahlkommission CNCCEP jegliche Form von Werbung oder Information über die beiden Kandidaten. Und in zwei Mitteilungen untersagte sie explizit, über die Daten des Hackerangriffs zu berichten, da viele davon falsch sein könnten.

Nach einem Blick auf erste Dokumente ist sicher: Es handelt sich um eine Sammlung von Dokumenten, die sicherlich tage- oder wochenlang geprüft werden müssen. Beispielsweise finden sich Schriftstücke darunter, in denen der Name Macrons nicht einmal auftaucht, wie etwa ein Mustervertrag einer Hausratsversicherung oder interne Briefe von Bankmitarbeitern.

Zweifel streuen, auch wenn kein Skandal in Sicht ist

Wikileaks, das kurzzeitig fälschlicherweise als Urheber des Datenlecks benannt wurde, bezeichnete den Zeitpunkt der Veröffentlichung als seltsam. Denn wenn das Ziel gewesen sei, die Wahl von Macron zu verhindern, wäre es logisch gewesen, seine Daten früher zu veröffentlichen. Vielleicht aber, so eine zweite Theorie, geben die vertraulichen Schriftstücke und Emails auch keinen Skandal her – und sind daher nur dazu geeignet, kurz vor dem Wahlgang Zweifel zu streuen.

Denn natürlich sind die Macron-Leaks ein gefundenes Fressen für den Front National, der zuletzt in allen Umfragen verloren hatte. Zwanzig Minuten vor Mitternacht und damit kurz vor der staatlich verordneten Sendepause twitterte Le Pens Sprecher Florian Philippot, die Macron-Leaks seien "angsteinflößend". Und legt nahe, sie enthielten Dinge, die "investigative Journalisten absichtlich unter Verschluss gehalten" hätten. Kurz nachdem die Daten von einem Nutzer mit dem Namen EMLEAKS auf der Plattform Pastebin hoch geladen wurden, verbreitete sie auch ein gewisser Jack Posobiec über seinen Twitter-Acccount an mehr als 100.000 Abonnenten.

Posobiec ist nicht unbekannt. In Washington arbeitet er für das rechtsextreme Rebel Media, das auf seinen schrillbunten Seiten Donald Trump lobt und Flüchtlinge als das größte Problem der USA und Kanadas bezeichnet. Am Samstag bot sich Posobiec über Kurznachrichten mehrfach an, vor dem französischen Parlament auszusagen – so als habe er selbst etwas mit dem Datenraub zu tun.

Auch ein weiteres, Le Pen nahe stehendes Internetportal verbreitet die Nachricht über die Macron-Leaks. In einem Forum von jeuxvideo.com, eigentlich eine politisch neutrale Seite für Freizeitzocker, tummeln sich Le Pen-Fans. Gelesen wird die Seite laut dem Branchenmagazin Numerama von Millionen Menschen in Frankreich. In dem Forum für 18-bis 25-Jährige, das bekannt für seine aggressiven, homophoben und rechtsradikalen Beiträge ist, laufen minütlich hasserfüllte Beiträge gegen Macron ein.