In Frankreich hat die zweite Runde der Präsidentschaftswahl begonnen. Mehr als 47 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Bei der Stichwahl treten der unabhängige Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen gegeneinander an. Der Proeuropäer Macron ist im Duell mit der Front-National-Kandidatin klarer Favorit: Umfragen sahen ihn zuletzt bei rund 62 Prozent. Le Pen käme demnach auf einen Stimmenanteil von 38 Prozent.

Seit 8 Uhr am Sonntagmorgen sind die Wahllokale geöffnet, die letzten Wahlbüros schließen 20 Uhr. Unmittelbar danach gibt es erste Prognosen. Zur Mittagszeit lag die Wahlbeteiligung laut Innenministerium bei 28,23 Prozent und damit niedriger als bei der Stichwahl vor fünf Jahren. Im Vergleich zum ersten Wahlgang 2017 ist die Beteiligung bisher allerdings nahezu unverändert.

Wegen der Anschlagsgefahr findet die Wahl unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Mehr als 50.000 Polizisten und Tausende Soldaten sind im Einsatz.

Kurz vor der Wahl war Macrons Wahlkampfteam Ziel eines Hackerangriffs geworden. Zehntausende interne Dokumente seiner Bewegung En Marche wurden in der Nacht zum Samstag im Internet veröffentlicht. Ein Sprecher von En Marche sprach von einer "massiven und koordinierten Destabilisierungskampagne". Die französische Regierung hatte wiederholt vor einer russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf gewarnt. Sie verdächtigt Russland, die Wahl zugunsten von Macrons Gegnerin Le Pen beeinflussen zu wollen, die als russlandfreundlich gilt.

Die Abstimmung ist auch für Europa wichtig. Während Macron sich für eine Stärkung von EU und Eurozone ausspricht, hat Le Pen ein Referendum über einen EU-Austritt Frankreichs angekündigt. Den Euro sieht sie kritisch, auch wenn sie zuletzt davon abgerückt ist, eine direkte Abschaffung der Gemeinschaftswährung anzustreben.

Sollte der 39-jährige Macron die Wahl gewinnen, wäre er der jüngste Präsident in der französischen Geschichte. Er will ein sozialliberales Reformprogramm umsetzen, den Arbeitsmarkt liberalisieren, Unternehmen entlasten und mehr in die berufliche Aus- und Weiterbildung investieren. Außenpolitisch tritt er unter anderem für engere Beziehungen zu Deutschland ein.

Macron hatte die erste Wahlrunde vor zwei Wochen mit 24 Prozent der Stimmen gewonnen. Le Pen zog mit 21,3 Prozent als Zweite in die Stichwahl ein. Der durch eine Affäre um die Scheinbeschäftigung von Familienmitgliedern unter Druck geratene konservative Kandidat François Fillon schied mit 20 Prozent aus, ebenso Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon mit 19,6 Prozent.

Ein Debakel erlebten die Sozialisten von Präsident François Hollande: Ihr Kandidat Benoît Hamon erzielte nur 6,4 Prozent. Es war das erste Mal in der Geschichte von Frankreichs Fünfter Republik, dass Konservative und Sozialisten den Einzug in die Stichwahl verpassten.