Präsidentschaftswahlen - Iraner wählen neuen Präsidenten In einer richtungsweisenden Wahl bestimmen die Iraner einen neuen Präsidenten. Der moderate Amtsinhaber Hassan Ruhani gilt als Favorit, doch mit dem konservativen Geistlichen Ebrahim Raisi steht ihm ein ernstzunehmender Herausforderer gegenüber. © Foto: Ebrahim Noroozi/AP/dpa

Im Iran hat die Wahl des neuen Präsidenten begonnen. Mehr als 56 Millionen Iraner können darüber abstimmen, ob sie dem moderaten Präsidenten Hassan Ruhani eine zweite Amtszeit geben oder einen politischen Wechsel wollen. Sein größter Gegner ist Ebrahim Raisi, der Spitzenkandidat des konservativen Klerus. Die Wahl wird deshalb als eine Art Referendum angesehen: Ruhanis Politik der Öffnung steht gegen Raisis Abschottungspolitik. 

Ein wichtiger Erfolg Ruhanis als Präsident ist das internationale Atomabkommen, das im Januar 2016 zur Aufhebung der Sanktionen führte. Er bat im Wahlkampf die Iraner um mehr Zeit, um den Nutzen aus dem Atomabkommen und der Aufhebung der Sanktionen zu ziehen. Zudem versprach er eine Stärkung der Bürgerrechte und eine Lockerung der gesellschaftlichen Restriktionen. Sein konservativer Gegner stehe für eine "Logik des Verbots", sagte Ruhani, und er verstehe nichts von den Feinheiten der Diplomatie.

Der 56-jährige Geistliche Raisi, der eine lange Karriere in der Justiz hinter sich hat und seit vergangenem Jahr eine einflussreiche religiöse Stiftung in Maschhad leitet, warf dem Amtsinhaber vor, eine Politik für die Reichen zu machen. Er versprach, sich mehr um die Arbeitslosen zu kümmern und mit einem härteren Kurs gegenüber dem Westen "den Scheck" des Atomabkommens einzulösen. Raisi hatte im Wahlkampf bisher die Unterstützung des Klerus sowie der staatlichen Medien. Er ist ein enger Verbündeter des geistlichen und politischen Oberhaupt des Landes, Ajatollah Ali Chamenei.

Außer Ruhani und Raisi tritt noch der Reformer Mostafa Haschemitaba an, doch rief er inzwischen selbst zur Wahl Ruhanis auf. Drei andere Kandidaten zogen sich ebenfalls zurück und riefen zur Wahl Raisis oder Ruhanis auf. Der umstrittene frühere Präsident Mahmud Ahmadinedschad war wie Hunderte andere Bewerber vom Wächterrat nicht zur Wahl zugelassen worden. Im Iran hat der Präsident als Chef der Exekutive eine wichtige Rolle in der Politik, doch liegt in vielen Fragen das letzte Wort beim geistlichen Oberhaupt Chamenei.

Die Wahllokale werden am Freitag voraussichtlich bis Mitternacht Ortszeit geöffnet sein. Nach Angaben von Innenminister Abdulresa Rahman Fasli werden die Endergebnisse Samstagabend oder spätestens am Sonntag bekannt gegeben. Erhält kein Kandidat bei der ersten Wahlrunde mehr als 50 Prozent, findet am 26. Mai eine Stichwahl statt.