In den Kommentaren der internationalen Presse ist nach Emmanuel Macrons Sieg viel Erleichterung zu spüren. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Frankreich wird als Chance für Europa und als Sieg gegen den Populismus gewertet, auch wenn die Aufgaben für Macron nun gewaltig sein dürften.  

Die Kommentatoren der New York Times schreiben, dass die Wahl Macrons die Angst vor einer "Welle des Populismus" abgeschwächt habe, die durch die westlichen Demokratien gehe und Nationalismus und Antiglobalisierungstendenzen bringe. "Doch so dramatisch und eindrucksvoll sein Sieg ist – vor Herrn Macron liegen beträchtliche Herausforderungen. Er übernimmt eine tief gespaltene Nation."

Dass eine Nationalistin wie Le Pen die zweite Runde der Wahlen vor den etablierten Parteien erreichten konnte und dann mehr als ein Drittel der Stimmen bekommt, "war ein schonungsloser Beweis für die Hoffnungslosigkeit der Vergessenen", wie Le Pen die häufig wirtschaftlich abgehängten Franzosen nennt, die sie unterstützen.

"Er entspricht nicht dem Zeitgeist"

Die Londoner Times hält zwar fest, dass Macrons Sieg durchaus überzeugend sei, doch hätte "der Konservative François Fillon die zweite Runde erreicht, wäre Macrons Ergebnis niedriger ausgefallen". Außerdem werde es für Macron nun sehr schwer, ohne eigene Basis im Parlament zu regieren. "Obwohl er ein ehemaliger Sozialist ist, stellte sich Macron dieser Wahl als Kandidat seiner eigenen neuen Partei, der Bewegung En Marche!", vermerkt die Zeitung. "Das bedeutet, dass er bislang über keine Abgeordneten verfügt und zudem Schwierigkeiten haben dürfte, nach der Parlamentswahl im Juni eine Mehrheit zustande zu bringen."

Die französische Tageszeitung Le Figaro verweist außerdem darauf, dass Macron nicht auf die Unterstützung sehr vieler Bürger zählen könne. "Mit einem unleugbaren Talent hat er es geschafft, von den Fehlern und Schwächen seiner Gegner zu profitieren, aber allen Umfragen nach ist es ihm nicht gelungen, die Menschen hinter seine Person oder sein Programm zu vereinen", heißt es in dem Kommentar. Diese Schwäche beeinträchtigten seine Legitimität in keiner Weise, aber sie zeigt eine politische Realität, die nicht leicht zu überwinden sein werde.

"Wir dürfen uns nicht täuschen", schreibt Le Figaro weiter. "Macrons Frankreich, dieses positive, dynamische, reformerische Frankreich, das so offen für Europa ist wie für die Meeresbrise, existiert sehr wohl – und das ist gut." Aber es stehe nur für ein Viertel der Franzosen. Zwei weitere Viertel (die Anhänger Le Pens sowie die Anhänger Mélenchons) seien gegen seine Werte radikal feindselig eingestellt.

In den Niederlanden zeigt sich De Telegraaf erleichtert darüber, dass mögliche wirtschaftliche Risiken, die mit Le Pen auf Frankreichs Nachbar zugekommen wären, nun nicht eintreten werden. "Marine Le Pen hatte für Maßnahmen plädiert, die die EU erheblich geschwächt hätten: eine zumindest teilweise Rückkehr zum Franc, einen Rückzug vom Schengenabkommen, eine Steuer auf Importe." Die Niederlande als kleine offene Handelswirtschaft hätten diese Nachteile zu spüren bekommen. "Allerdings hat Macron auch europafreundliche Züge, die zum französischen Wunschtraum passen, mehr Macht in Brüssel zu konzentrieren", merkt das Blatt kritisch an. "Damit entspricht er nicht dem Zeitgeist."