Die griechische Justiz hat zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten die Auslieferung von türkischen Militärs an die Türkei abgelehnt. Das zuständige Gericht in Athen folgte in seinem Urteil der Auffassung der Staatsanwaltschaft, wonach nicht auszuschließen sei, dass die Männer in der Türkei ein unfaires Verfahren oder gar Folter erwartet. Die türkische Justiz wirft insgesamt acht nach Griechenland geflohenen Soldaten vor, am gescheiterten Putsch gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Juli 2016 beteiligt gewesen zu sein, wie das griechische Staatsradio (ERT) berichtete.

Die Soldaten waren einen Tag nach dem versuchten Militärputsch mit einem Hubschrauber in der nordgriechischen Stadt Alexandroupolis gelandet. Sie beantragten Asyl. Die Männer bestritten, an dem Putschversuch beteiligt gewesen zu sein, sagten aber, sie seien aus Furcht vor Repressalien gegen Militärangehörige geflohen. Ihr Hubschrauber sei beschossen worden.

Bereits Ende Januar hatte das höchste griechische Gericht ein erstes Ersuchen der türkischen Justiz zur Auslieferung dieser Militärs abgelehnt. Daraufhin hatte die türkische Regierung einen neuen Auslieferungsantrag gestellt.

Der Fall ist brisant für die Regierung in Athen, deren Verhältnis zum Nato-Partner Türkei historisch schwierig ist. Griechenland ist in der Flüchtlingsfrage auf die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland angewiesen, zugleich aber auch besorgt über das Vorgehen der türkischen Regierung. Nach dem gescheiterten Putsch ließ sie Tausende Menschen wegen ihrer angeblichen Beteiligung an dem Umsturzversuch inhaftieren.