Es ist schon mehr als komisch: Donald Trump, der voriges Jahr im Wahlkampf keinen guten Faden am Islam gelassen hat und als Präsident unverzüglich einen Einreisestopp für Muslime verhängen wollte, unternimmt seine erste Auslandsreise nach Saudi-Arabien – in das Land, aus dem 15 der 19 Flugzeugattentäter des 11. September 2001 stammten und dessen extreme Wahabi-Version des Islam Dschihadisten von Al Qaida und den Taliban bis zum Islamischen Staat inspiriert.

Mit diesem Saudi-Arabien, einem autoritär-monarchischen Staat mit Sklavenhalter-Charakteristik, hat Donald Trump einen Vertrag über Rüstungslieferungen im Wert von zunächst 110 Milliarden Dollar abgeschlossen. In den nächsten zehn Jahren wollen die Saudis sogar für gigantische 350 Milliarden amerikanische Waffen kaufen. Der Eindruck ist unabweisbar: Der Geschäftsmann Donald Trump ist als Präsident käuflich. Auch Obama hatte den Saudis Waffen verkauft, aber er ließ sich nicht von ihnen vereinnahmen. Dafür versprachen die Saudis, mindestens 40 Milliarden in den USA zu investieren.

Dann rief Trump die Vertreter von 50 muslimischen Nationen am Sonntag dazu auf, gemeinsam gegen den Terrorismus vorzugehen und dem iranischen Einfluss in der Region entgegenzutreten. Kein Wort darüber, dass die Saudis in den Medresen der Welt den Ungeist verbreiten, der den Boden des dschihadistischen Terrorismus bildet.

Trumps Beweggründe sind nicht schwer zu erkennen. Den einen hat er in seiner einsilbigen Sprache im Angesicht des saudischen Königs dreifach skandiert: "Jobs, Jobs, Jobs." Der andere entspringt seinem offensichtlich unwiderstehlichen Drang, alles anders zu machen als sein Vorgänger Barack Obama – am liebsten das Gegenteil. Dies gilt in besonderem Maße für die gegenüber dem Iran zu verfolgende Politik.

Obama suchte den Ausgleich mit dem Teheran der Ayatollahs (deren Menschenrechtspraxis zugegebenermaßen nicht viel glorreicher aussieht als die saudische), um sie von ihrem Atomwaffenprogramm abzubringen. Dies gelang ihm 2015 mit dem Nuklearabkommen, das Trump – mit Sicherheit ohne eine einzige der 159 Seiten gelesen zu haben – "eines der schlimmsten je unterzeichneten Abkommen" nannte. Er kündigte an, es wieder rückgängig zu machen. Eine neuerliche Auseinandersetzung mit Teheran würde freilich seine "oberste Priorität" komplizieren, den Kampf gegen den Islamischen Staat.

Wo Barack Obama versuchte, auf das Ringen der sunnitischen Saudis mit dem schiitischen Iran um die regionale Vorherrschaft dämpfend einzuwirken, stellt sich Trump eindeutig hinter die Hegemonialbestrebungen Riads. Und er tut dies ausgerechnet in einem Augenblick, in dem der moderate Architekt der iranischen Entspannungspolitik, Präsident Hassan Ruhani, einen großartigen Wahlsieg erfochten hatte und seine Anhänger in den Straßen des Landes den Anbruch einer neuen Zeit feierten. Ruhani vereinigte fast 23 Millionen Stimmen auf sich, insgesamt 57 Prozent. Sein erzkonservativer Hauptherausforderer, der Richter Ebrahim Raisi, brachte es nur auf 15,5 Millionen Stimmen oder 38,3 Prozent.