Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sein Treffen mit Oppositionellen in Israel erneut verteidigt. Unter Demokraten müsse es möglich sein, sich auch mit regierungskritischen Organisationen zu treffen, sagte Gabriel der Bild-Zeitung. Er kritisierte, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ihn deshalb nicht empfangen hatte. "Unter Demokraten stellt man sich keine Ultimaten."

Netanjahu habe ihn zwingen wollen, "ein Treffen mit unbescholtenen israelischen Bürgern abzusagen, weil diese seiner Politik gegenüber den Palästinensern kritisch gegenüber stehen". Die Politik der Regierung Netanjahu sei aber auch in Israel umstritten. "Da ist es für mich selbstverständlich, auch die Kritiker zu hören", sagte Gabriel.

Gabriel hatte sich gegen Netanjahus Wunsch bei seinem Israel-Besuch auch mit Vertretern der Bürgerrechtsorganisationen Breaking The Silence und Betselem getroffen. Diese setzen sich kritisch mit dem militärischen Vorgehen Israels in den Palästinensergebieten und mit der israelischen Siedlungspolitik auseinander. Netanjahu hatte deshalb ein geplantes Treffen mit Gabriel abgesagt.

Am Samstag reist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für mehrere Tage nach Israel sowie in die Palästinensergebiete. Steinmeier sei "in einer ganz anderen Rolle als ich", sagte Gabriel zu dem Besuch. Er zweifle nicht daran, "dass der Bundespräsident die richtigen Worte finden wird, um die Situation zu beruhigen". 

Mehr als 20 bekannte Israelis bedankten sich als Reaktion auf Gabriels Treffen bei Deutschland, weil es der Zivilgesellschaft in ihrem Land beistehe. In ihrem an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gabriel gerichteten Brief hieß es: "Im vergangenen halben Jahrhundert hat unser geliebtes Land Millionen von Palästinensern grundlegende Freiheiten und Rechte verweigert und Siedlungen gebaut, die jeglicher Lösung dieses Konflikts im Wege stehen." Zivilgesellschaftliche Aktivitäten wie jene der Gruppen Breaking the Silence, Betselem und Peace Now seien "ein Zeichen der Hoffnung inmitten der Verzweiflung".

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Ilan Baruch, Israels früherer Botschafter in Südafrika, Michael Ben Jair, der ehemalige Generalstaatsanwalt, Avraham Burg, früherer Parlamentspräsident, die Soziologin Eva Illouz, der Bildhauer Dani Karavan und der Dramatiker Joshua Sobol.