Städte sind immer häufiger Schauplatz bewaffneter Konflikte. Dies ergab eine Studie des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London. Jährlich untersucht das IISS die größten bewaffneten Konflikte weltweit und stellt sie in einer Datenbank zusammen.

Knapp die Hälfte der 36 Konflikte aus der diesjährigen Studie werden zu einem bedeutenden Teil in urbanen Räumen ausgetragen. "Wenn der typische Aufständische früher in Bergen, Wäldern oder im Dschungel kämpfte, ist er oder sie inzwischen genauso häufig in einer städtischen Umgebung anzutreffen", sagte IISS-Generaldirektor John Chipman. Das sei ein Hinweis, dass sich Konflikte allgemein verändern.

Ein Grund könnte nach Angaben des Instituts die allgemeine Fluchtbewegung sein. Immer mehr Menschen seien gezwungen, ihre Heimat zu verlassen – sie suchten dann eher in Städten Schutz als wie bislang in ausgewiesenen Flüchtlingslagern oder Grenzgebieten. Dabei brächten viele der Flüchtlinge ihre Konflikte mit. Diese Entwicklung stelle Regierungstruppen und Hilfsorganisationen vor schwere Herausforderungen. So sei es in Städten schwieriger, Geflüchtete ausfindig zu machen und zu unterstützen. Außerdem erschwere die geographische Zerstreuung eine zeitnahe Versorgung.

So sind dem UN-Flüchtlingswerk zufolge die meisten syrischen Flüchtlinge in die Städte und Vorstädte von Nachbarländern wie Jordanien gezogen. Die internationalen Hilfen erreichen sie kaum: 90 Prozent der in jordanischen Städten registrierten Syrer leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Ein weiteres Beispiel ist der bewaffnete Konflikt der Türkei mit der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK). Laut der IISS-Studie ist der Konflikt urbaner und tödlicher geworden. Die PKK habe begonnen, im stärker bevölkerten Süden zu kämpfen und vermehrt Städte und öffentliche Plätze angegriffen. Das habe verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung. Im vergangenen Jahr starben durch den Konflikt rund 3.000 Zivilisten – so viele wie seit 1997 nicht mehr.

Ähnlich verhielt es sich im Südsudan. Auch dort gab es im vergangenen Jahr mehr Angriffe im urbanen Süden. In Afghanistan haben die Taliban indessen ihre Selbstmordattentate in urbanen Zentren ausgebaut.

Der Krieg in Syrien ist laut dem IISS im fünften Jahr in Folge der gewalttätigste Konflikt weltweit. Darauf folge Mexiko mit den dort kämpfenden Drogenkartellen. In den Gefechten dort starben bereits rund 23.000 Menschen, die meisten davon durch Kleinwaffen. Der Konflikt zeichne sich in allen Bundesstaaten ab: In 22 von 32 Staaten sei die Zahl der Morde angestiegen.

Ebenfalls hohe Opferzahlen haben bewaffnete Konflikte im Irak, in Afghanistan, im Yemen, im Somalia, Sudan, Türkei, Südsudan und Nigeria. Insgesamt ging die Zahl der Kriegstoten allerdings bereits das zweite Jahr in Folge leicht zurück. 2016 starben etwa 157.000 Menschen in bewaffneten Konflikten, 2015 waren es rund 147.000. Diese Zahl gibt aber wenig Anlass zur Beruhigung. Gleichzeitig gebe es nämlich mehr langanhaltende Konflikte, die jederzeit und überraschend aufflammen können.