Bei der vorgezogenen Präsidentschaftswahl in Südkorea hat der linksliberale Oppositionskandidat Moon Jae In nach Medienberichten deutlich gewonnen. Nach Auszählung von mehr als 40 Prozent der abgegebenen Stimmen sei Moon der Sieg sicher, berichteten südkoreanische Sender. Der frühere Menschenrechtsanwalt lag demnach mit 39,5 Prozent der Stimmen weit vor seinen Mitbewerbern.

Der 64-Jährige würde damit Nachfolger der abgesetzten konservativen Präsidentin Park Geun Hye. Die Neuwahl wurde nach ihrer Amtsenthebung im März wegen eines Korruptionsskandals notwendig. Eine Stichwahl gibt es nicht. Moon erklärte sich zum Sieger. Er wolle ein "neues Land aufbauen", sagte er vor zahlreichen Anhängern auf dem Gwanghwamun-Platz im Zentrum von Seoul.

Park war vor zwei Monaten wegen eines Korruptionsskandals ihres Amtes enthoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der im Gefängnis sitzenden Ex-Präsidentin Erpressung, Bestechlichkeit, Machtmissbrauch und Verrat von Staatsgeheimnissen vor. Der Prozess soll noch im Mai beginnen. Der neue Präsident wird für eine fünfjährige Amtszeit gewählt.

Moon galt als Favorit bei der vorgezogenen Neuwahl. Gegen ihn traten der frühere Softwareunternehmer und Zentrumspolitiker Ahn Cheol Soo sowie Hong Joon Pyo von der konservativen Regierungspartei an, der auch die abgesetzte Park angehört. Nach Hochrechnungen kann er mit 27,7 Prozent und Ahn Cheol Soo mit 21,2 Prozent der Stimmen rechnen. 

Die Südkoreaner stimmten bei der Wahl indirekt auch über den Umgang mit Nordkorea ab. Moon und Ahn etwa hatten versprochen, im Falle eines Wahlsiegs wieder stärker auf Nordkorea zuzugehen. Kritiker befürchten, dass Moon damit das Verhältnis zu den USA, Südkoreas wichtigstem Verbündeten, verschlechtern könnte. Der Konservative Hong hingegen hatte sich dafür ausgesprochen, in Südkorea taktische Atomwaffen der USA wieder einzuführen.