In Südkorea wird gewählt. Etwa 42,5 Millionen Bürger sind dazu aufgerufen, über die Nachfolge der abgesetzten Präsidentin Park Geun Hye abzustimmen. Die Behörden erwarten eine hohe Wahlbeteiligung.

Park war vor zwei Monaten wegen eines Korruptionsskandals ihres Amtes enthoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der im Gefängnis sitzenden Ex-Präsidentin Erpressung, Bestechlichkeit, Machtmissbrauch und Verrat von Staatsgeheimnissen vor. Der Prozess soll noch im Mai beginnen. Der neue Präsident wird für eine fünfjährige Amtszeit gewählt.

Um sechs Uhr morgens öffneten in Südkorea die Wahllokale. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der linksliberale Oppositionskandidat Moon Jae In. Er führt in Umfragen deutlich vor seinen Konkurrenten. Gegen ihn treten der frühere Softwareunternehmer und Zentrumspolitiker Ahn Cheol Soo sowie Hong Joon Pyo von der konservativen Regierungspartei an, der auch die abgesetzte Park angehört.

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Der Favorit Moon gab sich bei seiner Stimmabgabe in einem Wahllokal in der Hauptstadt Seoul zuversichtlich. "Ich spüre den starken Wunsch des Volkes nach einem Regierungswechsel", sagte der 64-Jährige. Moon hatte bei der Präsidentschaftswahl 2012 gegen seine langjährige Rivalin Park verloren.

Die Südkoreaner stimmen bei der Wahl indirekt auch über den Umgang mit Nordkorea ab. Moon und Ahn etwa hatten versprochen, im Falle eines Wahlsiegs wieder stärker auf Nordkorea zuzugehen. Kritiker befürchten, dass Moon damit das Verhältnis zu den USA, Südkoreas wichtigstem Verbündeten, verschlechtern könnte. Der Konservative Hong hingegen hatte sich dafür ausgesprochen, in Südkorea taktische Atomwaffen der USA wieder einzuführen. Hong sagte, die Menschen könnten entscheiden, ob sie für eine mit Nordkorea sympathisierende linke Regierung oder eine Regierung seien, die die Freiheiten Südkoreas beschützen könne.

In den vergangenen Wochen hatte sich der Konflikt um Nordkorea verschärft. Nach mehreren Raketentests und verbalen Drohungen durch das Regime von Kim Jong Un schickten die USA einen Flugzeugträger in die Region, um mit südkoreanischem Militär eine Übung durchzuführen. US-Präsident Donald Trump hatte zudem mehrfach mit Alleingängen gedroht und einen Militärschlag nicht ausgeschlossen. Die internationale Gemeinschaft ist besorgt. So forderte die Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) zu Geduld auf, China warnte vor einer Eskalation und sogar der Papst mischte sich ein. Franziskus sagte vor einer guten Woche, dass ein Krieg um Nordkorea einen "guten Teil der Menschheit, der Kultur, zerstören" könne.