Das von Russland, der Türkei und dem Iran vereinbarte Abkommen über Schutzzonen im Bürgerkriegsland Syrien ist in Kraft getreten. Ab Samstag sollen in den vier Zufluchtszonen keine Waffen abgefeuert werden, wie der russische Vizeverteidigungsminister Alexander Fomin in Moskau ankündigte. Die russische Luftwaffe habe seit dem 1. Mai keine Angriffe mehr in diesen Gebieten geflogen, sagte Vizegeneralstabschef Sergej Rudskoi. Die am Donnerstag in Astana unterzeichnete Einigung sei mit 27 Rebellengruppen abgesprochen worden. Rudskoi bekräftigte, dass der Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere Terrorgruppen in Syrien weitergehe.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, nach Monaten der Eskalation mit Tausenden Opfern herrsche in den Gebieten der Feuerpause Ruhe. Lediglich in Teir Malla nördlich von Homs sei eine halbe Stunde nach Inkrafttreten der Feuerpause eine Explosion zu hören gewesen. Aktivisten zufolge war von einer Stellung der Regierungstruppen aus eine Rakete auf das von Rebellen kontrollierte Gebiet abgefeuert worden.

Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe hatten die USA deutlich gemacht, dass ihr Einsatz gegen den IS durch das Abkommen nicht beeinträchtigt wird. Die Zonen erstreckten sich nicht auf Gebiete, in denen die Terrormiliz aktiv sei, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis. "Unsere Operationen fokussieren sich auf den IS, der weiter östlich ist", erklärte er. "Wir haben unsere Mission in keiner Weise geändert."

Kampf gegen IS soll fortgesetzt werden

Russland erklärte, über den Gebieten keine Kampfjets der USA und ihrer Verbündeten dulden zu wollen. "Der Einsatz der Luftwaffe, vor allem von Kräften der internationalen Koalition, ist absolut nicht vorgesehen", sagte der Leiter der russischen Delegation bei den Syrien-Gesprächen in Astana, Alexander Lawrentjew, der Agentur Interfax zufolge. Weniger eindeutig äußerte sich in Moskau Vizeaußenminister Michail Bogdanow. Über Flüge der USA in den Schutzzonen müssten die Militärs sprechen, ebenso über mögliche US-Beobachter zur Überwachung der Waffenruhe in den Flüchtlingsgebieten. Der Iran hege aber Bedenken gegen US-Beobachter, sagte Bogdanow.

Verabredete Schutzzonen in Syrien

Provinz liegt komplett in der Schutzzone Provinz liegt teilweise in Schutzzone

Dem Memorandum zufolge sollen die Schutzzonen in der Provinz Idlib, nördlich der Stadt Homs, östlich von Damaskus und im Süden Syriens entstehen. Dort müssten die syrische Regierung und ihre Gegner "den Gebrauch jeder Art von Waffen, auch aus der Luft, einstellen". Allerdings sollen der IS und andere Terrorgruppen weiter bekämpft werden. In den Gebieten ist die Al-Kaida-nahe Extremistengruppe Tahrir al-Scham stark. Deshalb hat Russland keinen völligen Verzicht auf Luftangriffe in den Schutzzonen verkündet. Auch für die syrische Luftwaffe gab Lawrentjew keine vollständige Garantie ab. Die genauen Grenzen der Gebiete sollen bis 4. Juni festgelegt werden.

Weil die Zonen vorsichtige Hoffnung auf Verbesserung der katastrophalen humanitären Lage in Syrien nähren, begrüßten die Vereinten Nationen wie die Bundesregierung das Vorhaben. Die UN sprachen von einem ermutigenden Schritt. Hilfsorganisationen zeigten sich skeptisch. Bereits im vergangenen Jahr hatte es mehrere Anläufe zu einer Waffenruhe gegeben, die jedoch alle scheiterten. Zuletzt hatten Russland und die Türkei Ende Dezember eine Feuerpause durchgesetzt. Trotzdem gab es in den vergangenen Wochen zunehmend Gewalt.