Die USA haben die syrische Regierung für systematische Massenhinrichtungen verantwortlich gemacht. Täglich würden in dem Militärgefängnis Saidnaja bei Damaskus etwa 50 Gefangene gehängt, teilte das US-Außenministerium mit. Um das Ausmaß und Beweise für die Hinrichtungen zu vertuschen, würden die Leichen in einem großen Krematorium verbrannt. 

Das Ministerium legte dazu bisher geheimgehaltene Fotos von einem Gebäude in dem Gefängniskomplex vor, das zum Krematorium umgebaut worden sein soll. Die Satellitenaufnahmen sollen vom April 2017, April 2016, Januar 2015 und Januar 2013 stammen.

In der Unterschrift eines der Bilder steht "geschmolzener Schnee auf einem Teil des Daches". Das soll die Existenz des Krematoriums belegen. Die New York Times schrieb, dass es sich bei den Fotos nur um Indizienbeweise handele. Während die umliegenden Gebäude von Schnee bedeckt seien, liege auf dem Gebäude, das das Krematorium sein soll, kein Schnee. Das deute auf eine signifikante innere Wärmequelle hin.

Bei der Präsentation der Fotos sagte der US-Diplomat für den Nahen Osten, Stuart Jones, der syrische Präsident Baschar al-Assad und seine Regierung seien "auf ein neues Niveau der Verderbtheit" herabgesunken. Nicht verbrannte Leichen sollen in Massengräbern verscharrt worden sein. In dem Militärgefängnis würden bis zu 70 Inhaftierte in eine Zelle eingeschlossen, die für fünf Menschen vorgesehen sei, sagte Jones. Die Informationen habe sein Ministerium von Menschenrechts- und Nichtregierungsorganisationen sowie von Geheimdiensten erhalten.

Das syrische Regime betreibe die Hinrichtungen mit offenbar bedingungsloser Unterstützung von Russland und Iran. Russland habe entweder geholfen oder tatenlos weggeschaut, während die syrische Regierung jahrelang Massenmorde und andere Gräueltaten durchgeführt habe, sagte Jones. Darunter fielen etwa das Bomben von Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen sowie der Gebrauch von chemischen Waffen gegen Zivilisten und Rebellen. Im syrischen Bürgerkrieg sind Russland und Iran die wichtigsten Verbündeten Assads.

Amnesty sprach von Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte im Februar über systematische Massenhinrichtungen in syrischen Gefängnissen berichtet. Demnach ließ die syrische Regierung zwischen 5.000 und 13.000 Gefangene bei Massenhinrichtungen töten. Die Menschen seien von 2011 bis 2015 in Saidnaja ohne ein rechtsstaatliches Verfahren gehängt worden. Die meisten von ihnen seien Zivilisten gewesen.

Amnesty sprach damals von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Inhaftierten hätten zunächst unter Folter ein falsches Geständnis ablegen müssen, dann seien sie von einem Militärgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt worden. Zweck von alledem sei, jede Abweichende Meinung in der syrischen Bevölkerung zu vernichten.

Der Bericht war nicht der erste, der schwere Menschenrechtsverletzungen durch die syrische Regierung anprangerte. Im vergangenen August hatte Amnesty International kritisiert, dass seit Ausbrechen des Bürgerkriegs 2011 fast 18.000 Menschen in Gefängnissen der Regierungen gestorben seien. Syrische Menschenrechtler sprechen von bis zu 50.000 Toten. Vor drei Jahren waren außerdem Zehntausende Fotos eines Militärfotografen mit dem Decknamen Caesar veröffentlicht worden. Die Bilder zeigen Tausende ausgemergelte Leichen mit Spuren schwerer Misshandlung.

Syrien - Amnesty International berichtet von Massenhinrichtungen Amnesty hat 84 Menschen befragt, die als Gefangene, Wärter oder Anwälte im syrischen Sednaya-Gefängnis waren. Basierend auf ihren Aussagen hat die Organisation rekonstruiert, wie dort Folter und Hinrichtungen stattfanden. © Foto: Amnesty International