Der Luftraum über den geplanten Schutzzonen in Syrien soll nicht nur für die Kampfjets der syrischen Armee, sondern auch für die Militärflugzeuge der USA und ihrer Verbündeten im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) gesperrt werden. Das kündigte Russland an, das diese vier sogenannten Deeskalationszonen am Donnerstag zusammen mit der Türkei und dem Iran vereinbart hatte. Der Einsatz von Kampfjets jedweder Partei werde in diesen Gebieten keinesfalls gestattet sein, sagte Russlands Gesandter bei den Syrien-Gesprächen in Kasachstan, Alexander Lawrentew, der Nachrichtenagentur Interfax. Russland werde dies als einer der Garanten der Vereinbarung "genau überwachen".

Syrien - USA sehen Einigung auf Schutzzonen skeptisch Die USA haben Zweifel an der Einigung auf Schutzzonen bei den Syrien-Friedensgesprächen in Astana geäußert. Die Vereinbarung von Russland, dem Iran und der Türkei gebe Anlass zur Sorge, so das Außenministerium. © Foto: Kirill Kudryavtsev/AFP/Getty Images

Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, dass der Schritt die eigenen Operationen nicht einschränke. Die Zonen erstreckten sich nicht über Gebiete, in denen der IS aktiv sei, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis. Nach Informationen des Spiegel will die US-Regierung zudem, dass künftig auch die Nato offiziell Mitglied der Anti-IS-Koalition wird. Bislang beteiligen sich nur einzelne Mitglieder des westlichen Verteidigungsbündnisses an den Einsätzen in Syrien. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, stünden alle Nato-Staaten in der Pflicht. Die Bundesregierung hatte einen direkten Eingriff in den seit fünf Jahren währenden Bürgerkrieg bislang immer abgelehnt.

Die Einrichtung der Zonen hatten die russischen, türkischen und iranischen Delegationen bei ihrem Treffen im kasachischen Astana vereinbart, die nach Angaben der russischen Regierung der "weiteren Befriedung und der Einstellung der Kämpfe" dienen. Die Schutzzonen sollen vor allem Rebellengebiete umfassen. Dem türkischen Außenministerium zufolge sind die gesamte Provinz Idlib, Teile von Latakia, Aleppo, Hama, Homs, Daraa, Kunaitra sowie Ost-Ghuta außerhalb von Damaskus betroffen. Dort müssten die syrische Regierung und ihre Gegner "den Gebrauch jeder Art von Waffen, auch aus der Luft, einstellen", hieß es seitens des Verteidigungsministeriums und des Generalstabs in Moskau.

An dem Abkommen waren weder die syrische Regierung noch die Rebellen beteiligt. Mehrere Oppositionsvertreter hatten während der Unterzeichnung aus Protest den Saal verlassen. Man habe "Ängste und Zweifel", sagte einer der Nachrichtenagentur AP. Osama Abo Sajd warf vor allem Iran vor, mit der Unterstützung ausschließlich schiitischer Milizen zur Spaltung des syrischen Volks voranzutreiben. Es sei unvorstellbar, dass das Land "die Rolle eines Friedensstifters spiele".

Die Beteiligung des Irans stößt auch in den USA und in Deutschland auf Kritik. Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, bezeichnete es als problematisch, dass der Iran "als Kriegspartei" verantwortlich für die Überwachung des Abkommens sei. Der Iran unterstützt wie Russland die Truppen des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Die USA wiederum bekämpfen in Syrien nicht nur den IS, sie unterstützen auch sogenannte gemäßigte Rebellen. Im April beschossen sie nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff der Regierung einen Luftwaffenstützpunkt Assads mit Marschflugkörpern