Gegen den Widerstand des Nato-Partners Türkei wollen die USA kurdische Truppen, die gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" kämpfen, weiter mit Waffen beliefern. Das habe Präsident Donald Trump entschieden, um einen klaren Sieg zu erringen, teilte das Verteidigungsministerium mit. "Wir sind uns der Sicherheitsbedenken unseres Koalitionspartners Türkei sehr bewusst", teilte eine Sprecherin mit. "Wir wollen der türkischen Bevölkerung und Regierung versichern, dass die USA zusätzliche Sicherheitsrisiken verhindern und unseren Nato-Partner beschützen wollen", ergänzte sie.

Demnach soll die kurdische Miliz YPG mit Waffen für den Angriff auf die nordsyrische Stadt Rakka versorgt werden. Die Waffenlieferung beinhalte Munition, kleine Geschütze, Maschinengewehre, schwere Waffen, Bulldozer und Panzerfahrzeuge, berichtet die BBC unter Berufung auf eine Quelle aus dem Pentagon. Die USA würden versuchen, die Waffen anschließend wiederzubekommen.

US-Verteidigungsminister James Mattis hatte sich auf einer Konferenz der gegen den IS kämpfenden Länder in Kopenhagen hinsichtlich Waffenlieferungen an die Kurdenmiliz noch zurückhaltend geäußert. Die Nato-Partner USA und Türkei arbeiteten daran, ihre Differenzen hinsichtlich der YPG auszuräumen, sagte Mattis. Die Nato-Partnerschaft bedeute jedoch nicht, dass Ankara und Washington immer die gleichen Standpunkte zur Lösung eines Problems haben müssten.

Türkei will Gewinne kurdischer Einheiten verhindern

Die USA betrachten die Kurdenmiliz YPG als effektive Armee im Kampf gegen den IS. Bereits jetzt statten die USA Einheiten der oppositionellen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), in der überwiegend kurdische Soldaten kämpfen, mit Waffen aus.

Die Türkei hingegen betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei selbst für mehr Autonomie für die Kurden kämpft. Die PKK wird auch von der EU und den USA als Terrorgruppe eingestuft. Die Türkei will verhindern, dass kurdische Einheiten im Norden Syriens Territorialgewinne erzielen. Im April hatten türkische Kampfflugzeuge kurdische Stützpunkte in Syrien bombardiert, was die Spannungen zwischen Washington und Ankara verschärft hatte.

In der kommenden Woche wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Washington erwartet. Die USA brauchen auch die türkische Regierung im Kampf gegen den IS, weil sie von deren Luftwaffenstützpunkt Incirlik Luftangriffe fliegen. Der "Islamische Staat" hatte Rakka ebenso wie weite Teile Syriens und Iraks im Sommer 2014 erobert. Im November starteten Kämpfer der SDF eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt. Aktuell bekämpfen sie den IS gemeinsam mit den USA in der Stadt Tabqa, etwa 50 Kilometer westlich von Rakka.