In Taiwan dürfen Schwule und Lesben künftig heiraten. Das Verfassungsgericht in Taipeh entschied, dass das bisher geltende Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen gegen den in der Verfassung verankerten Schutz der Menschenwürde und gegen die Gleichberechtigung verstoße. Regierung und Parlament bekämen zwei Jahre Zeit, die Gesetze zu ändern oder neue einzuführen. Hunderte Aktivisten bejubelten mit den Regenbogenflaggen der Schwulenbewegung die Entscheidung vor dem nahegelegenen Parlament.

Eine Gesetzesvorlage zur Umsetzung der Gerichtsentscheidung zirkuliert bereits im Parlament, wo sowohl die Regierung als auch die größten Oppositionsparteien eine Legalisierung der Homo-Ehe unterstützen. Laut Umfragen ist auch eine Mehrheit der Bevölkerung dafür. Sollte sich das nötige Gesetz dennoch verzögern, könnten Paare sich ihre Ehen durch schriftliche Anträge anerkennen lassen, teilte das Verfassungsgericht mit.

Lesben und Schwule in Taiwan haben in den vergangenen Jahren intensiv für die Gleichberechtigung geworben. Bei der jährlichen Gay-Pride-Parade kamen jedes Mal Zehntausende zusammen. Gegen die Legalisierung der Homo-Ehe gab es nur wenig Widerstand einiger konservativer Gruppen. Von den 15 Richtern des Verfassungsgerichts stimmten zwei dagegen, einer enthielt sich.

Damit ist Taiwan das einzige Land in Asien, in dem die Homo-Ehe erlaubt wird. In mehreren anderen Staaten des Kontinents – und auch anderswo auf der Welt – werden Schwule und Lesben nach wie vor verfolgt. Zuletzt gab es Berichte von Verhaftungswellen und Folterungen von Schwulen in Tschetschenien. In Indonesien wurden am Dienstag zwei Schwule von einem Scharia-Gericht öffentlich mit Stockschlägen bestraft. In der Hauptstadt Jakarta wurden bei einer Razzia in einer Schwulensauna am Sonntag Dutzende Männer festgenommen. Zum Teil könnten sie für Jahre ins Gefängnis kommen.