"Die kommenden fünf Jahre werden die herausfordernsten sein, denen sich Großbritannien während meiner Lebenszeit ausgesetzt gesehen hat", heißt es im Wahlprogramm der konservativen Partei bereits auf Seite drei. Die Worte stammen von Premierministerin Theresa May, die das Programm am Donnerstag in Halifax in der Grafschaft West Yorkshire vorstellt.

Den Ort der Präsentation scheint Mays Team mit einer Landkarte und einem Lineal ausgewählt zu haben: Denn Halifax liegt beinahe genau in der Mitte zwischen London, Edinburgh, Cardiff und Belfast, also den Hauptstädten der vier Landesteile Großbritanniens.

Dann kommt das Wahlprogramm gleich zur Sache: "Der Brexit wird uns definieren: unseren Platz in der Welt, unsere wirtschaftliche Sicherheit und unseren zukünftigen Wohlstand." Großbritannien brauche "eine starke und stabile Regierung, um das beste Abkommen für unser Land und für seine Menschen zu erzielen", steht darunter. "Mit diesem Plan und einer starken Hand, die uns durch den Brexit führt, werden wir ein stärkeres, gerechteres und wohlhabenderes Britannien aufbauen, für uns alle."

Dabei besteht kein Zweifel daran, wessen "starke Hand" das Land jetzt angeblich braucht: die von Theresa May. Überhaupt fällt auf, wie stark alles auf die Premierministerin zugeschrieben ist: In dem Wahlprogramm gehe es um ihre Vision für das Land, erklärt May bei der Präsentation. Die Menschen sollten ihr folgen, wenn sie das Land anführe, und ihre Hand bei den Verhandlungen mit der EU stärken. Es erscheint fast so, als stelle sich May alleine in einem Präsidialsystem zur Wahl. Dass bei den Parlamentswahlen in genau drei Wochen in Wirklichkeit Hunderte konservative Kandidaten antreten werden, um ins Unterhaus gewählt zu werden, könnte man beinahe vergessen. Dazu passt es auch, dass May die konservative Partei schon seit Wochen nur noch als "mein Team" bezeichnet.

Als ein Journalist May nach der Präsentation fragt, ob man ihre vorgelegte politische Vision als "Mayismus" bezeichnen könne, reagiert sie beinahe pikiert. So etwas wie "Mayismus" gebe es nicht, antwortet May. Das sei alles ein "guter, solider Konservativismus". Was sie präsentiert, trägt jedoch durchaus eine starke persönliche Note – und ist in vielen Aspekten eine Abkehr von den Vorstellungen früherer konservativer Premierminister.

Unnachgiebig in Fragen der Einwanderung

So konzentriert sich May in den ersten Minuten ihrer Rede darauf, dass Großbritannien eine "große Meritokratie" werden müsse. Großbritannien müsse ein Land werden, in dem Leute so weit kommen könnten, wie weit sie ihr Talent trage. "Ein Ort, an dem es nicht darauf ankommt, woher man stammt, sondern wohin man geht." Es solle nur darauf ankommen, wie viel Talent man besitze und wie sehr man dazu bereit sei, hart zu arbeiten, sagt May. Da klingt sie wie die Tochter eines anglikanischen Pastors, die sie nun einmal ist. Mehr protestantische Arbeitsethik geht wohl kaum.

Im Verlauf der Vorstellung des Wahlprogramms wird jedoch klar, dass es doch nicht ganz egal ist, "woher man stammt" – zumindest, wenn man kein Brite ist. Sie plane, die Einwanderung drastisch zu verringern, bis diese ein "nachhaltiges Niveau" erreiche, sagt May. Die Zahl der Einwanderer solle auf jeden Fall auf unter 100.000 sinken. Das Versprechen stammt noch von der Cameron-Regierung. Nun möchte May dieses Ziel offenbar unbedingt erreichen.

Das Mindesteinkommen, das Briten nachweisen müssen, um Ehepartner aus dem Ausland ins Land zu holen, solle hierfür erhöht werden, heißt es in dem Programm. Es liegt derzeit bei 18.600 Pfund im Jahr. Die umstrittene Regelung kommt aus der Zeit, als May Innenministerin war. Die Auflagen für die Vergabe von Visa an ausländische Studenten sollen erhöht werden: Ausländische Studenten sollen "das Land nach dem Ende ihres Studiums verlassen", sofern sie nicht "höhere Anforderungen" erfüllten, die es ihnen erlaubten, nach dem Ende des Studiums in Großbritannien zu leben und zu arbeiten. Die EU zu verlassen werde es Großbritannien erlauben, "zum ersten Mal seit Jahrzehnten" auch die Einwanderung aus der EU zu steuern. Auch die Zahl der EU-Bürger, die nach Großbritannien kämen, solle verringert werden.

Mays unnachgiebige Haltung in dieser Frage ist nicht neu. Einwanderer, erklärt May auf Nachfrage eines Journalisten, drückten die Löhne und erhöhten den Druck auf das Sozialsystem. Da klang sie wieder wie beim Parteitag der Tories vor zwei Jahren, als sie – damals noch als Innenministerin – eine so vor Halb- und Unwahrheiten triefende, immigrationsfeindliche Rede hielt, dass sie selbst der zutiefst konservative Daily Telegraph als "gefährlich und faktisch falsch" bezeichnete.