Russland und die Türkei wollen wieder eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten. Nach dem Besuch des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdoğan in Sotschi sieht der russische Präsident Wladimir Putin die Beziehungen zur Türkei zurück auf dem alten Stand. "Wir können mit Überzeugung feststellen, dass die Periode der Wiederherstellung abgeschlossen ist", sagte Putin. Die Partnerschaft sei wieder normal.

Beide Staatschefs vereinbarten ein gemeinsames Vorgehen im Syrien-Krieg. Putin zeigte sich offen für die Einrichtung sicherer Zonen für Zivilisten. Die Idee von solchen Schutzzonen habe breite Unterstützung, es brauche aber weitere Diskussionen, um die Details auszuarbeiten, sagte er. Solche Zonen müssten mit dem Ziel eingerichtet werden, einen generellen Waffenstillstand in Syrien zu erreichen.

Erdoğan fordert solche Schutzzonen in Syrien seit Langem, seiner Ansicht nach sind sie ein Schlüssel in den Friedensbemühungen. In Sotschi sagte der türkische Präsident, gemeinsames Ziel mit Russland sei es, "dass das Blutvergießen in Syrien so bald wie möglich endet".

Putin sagte, am Vorabend habe er auch mit US-Präsident Donald Trump über mögliche Schutzzonen gesprochen. Solche kampffreien Räume in Syrien zum Schutz der Zivilbevölkerung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit Putin angeregt. Um solche Zonen ging es auch in ihren Gesprächen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Putin sagte, Schutzzonen seien auch eine der wichtigsten Fragen der Syrien-Gespräche am Mittwoch und Donnerstag in der kasachischen Hauptstadt Astana. Dort kursiert bereits ein Plan aus Russland, wonach in den von Rebellen kontrollierten Gebieten Syriens "Zonen der Deeskalation" errichtet werden könnten. Wenige Stunden vor Beginn der Verhandlungen in Astana zogen sich die syrischen Rebellen deshalb zurück. Sie machten das Ende von "Bombardements auf Zivilisten" zur Vorbedingung für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Sanktionen sollen schrittweise aufgehoben werden

Der Krieg in Syrien war das Hauptthema bei dem Treffen zwischen Putin und Erdoğan. Darüber hinaus ging es aber auch um die stufenweise Aufhebung der russischen Sanktionen gegen die Türkei. Zudem wollten beide Staatschefs über eine Aufhebung der Visumspflicht für Türken sprechen, hatte Erdoğan vor seiner Abreise angekündigt.

Die Beziehungen beider Länder hatten sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert: Im November 2015 hatte das türkische Militär einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen, Russland hatte als Reaktion Sanktionen gegen die Türkei verhängt.

Auch im Syrien-Krieg gehen die Interessen beider Länder in unterschiedliche Richtungen: Russland ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Die Türkei hingegen unterstützt syrische Oppositionsgruppen. Besonders kritisch sieht die Regierung in Ankara die Milizen der Kurdenpartei PYD, dem syrischen Ableger der von der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Bei seinem letzten Besuch in Moskau im März dieses Jahres forderte Erdoğan ein Ende der PYD-Aktivitäten in Moskau. In der Krise mit der Türkei hatte die Regierung in Moskau der PYD die Eröffnung eines eigenen Büros erlaubt.

Immer noch Importverbot auf Tomaten

Bei dem Treffen im März gab es erstmals wieder eine Annäherung beider Staatschefs: Bei einem Besuch Erdoğans in Moskau sicherte der russische Präsident zu, die Sanktionen teilweise aufheben zu wollen. Daraufhin wurden die Einfuhrverbote für Obst und Gemüse wieder gelockert. Nur die Einfuhr von Tomaten, einem der wichtigsten türkischen Exportverbote, werde in Russland weiterhin verboten bleiben, um russische Produzenten zu schützen.

Nach Angaben von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow soll in naher Zukunft auch das Importverbot für russisches Getreide in die Türkei aufgehoben werden.