In demokratischen Ländern hat Thailands Regierungschef Prayut Chan-o-cha nicht gerade den lupenreinsten Ruf. Als Armeechef stürzte er im Mai 2014 nach wochenlangen Demonstrationen und Unruhen die gewählte Regierung. Seither wird das Land vom Militär regiert, Prayut Chan-o-cha führte die autokratischste Herrschaft in dem Königreich seit Jahrzehnten ein. In der Amtszeit von Barack Obama galten die Beziehungen zwischen den USA und Thailand deshalb noch als belastet – Obamas Nachfolger Donald Trump aber hat Prayut Chan-o-cha nun ins Weiße Haus eingeladen.

Ein Termin für das Treffen mit dem Militärmachthaber wurde zwar noch nicht festgelegt, wie ein Regierungssprecher in Bangkok am Montag sagte. Doch Trumps Thema für das Treffen scheint klar: Laut der thailändischen Regierung hat Trump mit Prayut Chan-o-cha in dem Telefonat am Sonntagabend über die Bedrohung durch Nordkorea und die Beziehungen zwischen ihren Staaten gesprochen.

Die US-Regierung will Nordkorea von seinen Atomwaffen abbringen, denn die Raketen Nordkoreas könnten irgendwann auch die USA erreichen. Um das Problem in den Griff zu bekommen, umwirbt Trump vor allem die Regierung in Peking. 90 Prozent des nordkoreanischen Handels läuft über China, weshalb der große Anrainer zu den letzten gehört, die auf diesem Weg tatsächlich noch Druck auf Nordkorea ausüben könnten. Politisch verbindet die einstigen politischen Waffenbrüder Ostasiens inzwischen kaum noch etwas. Doch China hat strategische Gründe, den gefährlichen Nachbarn so weit wie möglich zu verschonen.

Offenbar im Bemühen um alternative regionale Unterstützung im Konflikt mit Nordkorea hat Trump neben Prayut Chan-o-cha einen weiteren zweifelhaften Staatschef nach Washington eingeladen: den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte. Duterte führt seit seinem Amtsantritt im Juni 2016 einen unerbittlichen Kampf gegen Rauschgiftkriminelle, in dem Tausende Menschen getötet wurden. Drogenkriminalität ist ein erhebliches Problem auf den Philippinen. Obama hatte die Säuberungspolitik Dutertes noch kritisiert, worauf dieser Obama einen Hurensohn nannte. Duterte ist autoritär und zudem offenbar selbst gewalttätig, vergangenen Dezember brüstete er sich damit, einst auch eigenhändig mutmaßliche Kriminelle getötet zu haben.

Am Samstag misslang ein Raketentest

Die Einladungen an den autoritären Duterte und den Junta-Mann Prayut Chan-o-cha erfolgen in einer Phase besonders hoher Spannungen vor der koreanischen Halbinsel. Erst am Samstag hatte Nordkorea eine ballistische Mittelstreckenrakete gestartet, die aber offenbar mehrere Minuten nach dem Start abgestürzt ist. Für Nordkorea ist es der dritte Test-Misserfolg in diesem Monat. Aus US-Kreisen verlautete daraufhin, die Regierung in Washington könnte nun weitere Kriegsschiffe und Kampfjets in die Region verlegen. Trump hatte wenige Stunden vor dem Test in einem Interview gewarnt, es könne am Ende zu einem großen Konflikt mit Nordkorea kommen und hatte einen Militärschlag nicht ausgeschlossen.

Zuletzt legte das Atom-U-Boot Michigan in Südkorea an, und nach US-Angaben hat der Marineverband um den Flugzeugträger USS Carl Vinson Kurs auf Korea genommen. Am Samstag kam zudem der französische Hubschrauberträger Mistral zu Übungen in Japan an. An Bord befinden sich auch Hubschrauber aus Großbritannien. Die USA und Südkorea haben zudem damit begonnen, das Raketenabwehrsystem THAAD einzurichten, das innerhalb von Tagen teilweise betriebsfähig sein soll. THAAD wurde bereits unter Trumps Vorgänger Obama mit Südkorea verabredet. Nordkorea wiederum führte vergangene Woche umfangreiche Schussübungen an seiner Ostküste durch.

Die neue Nordkorea-Politik von US-Präsident Trump soll vor allem China beeindrucken. Zum einen durch das militärische Gehabe und die Option eines militärischen Alleingangs gegen Pjöngjang. Zum anderen durch Trumps Äußerungen, eine Kooperation Chinas in der Nordkorea-Frage mit lohnenswerten bilateralen Handelsverträgen zu verknüpfen. Beides wird aber kaum umsetzbar sein. Nicht zuletzt, weil ein Krieg auf der nordkoreanischen Halbinsel verheerende Folgen haben könnte. 

So kommt es auch, dass Donald Trump Staatschefs wie jene der Philippinen und Thailands ins Weiße Haus einlädt. Einerseits versucht Trump offensichtlich, Allianzen in der Region zu bilden, die China deutlich machen, dass es den USA mit Nordkorea ernst ist. Dutertes Einladung nach Washington kann zudem ein zusätzliches Signal Washingtons gen Peking sein, denn Duterte hatte nach seinem Amtsantritt  angekündigt, sich politisch China mehr zuzuwenden, zu Lasten der Beziehungen mit den USA. Andererseits scheint es auf Seiten Trumps sowieso wenig Bedenken gegenüber autokratischen Führern zu geben: Kürzlich erst hatte er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan angerufen, um ihm zum Sieg über dessen umstrittenes Verfassungsreferendum zu gratulieren.