Die Türkei äußert sich zur Bereitschaft Deutschlands, Inhabern türkischer Dienstpässe künftig Asyl zu gewähren. Man bedauere, dass die Asylanträge mancher ehemaliger Militärs positiv entschieden wurden, teilte das Außenministerium in Ankara mit. Demnach hätten die deutschen Behörden "Nachsicht mit der Geisteshaltung der Putschisten" gezeigt.

Die Asylsuchenden hätten eindeutig Verbindungen zu Fethullah Gülen und "seiner Terrororganisation", so das Außenministerium. Dem in den USA lebenden Prediger wirft die türkische Regierung vor, hinter dem gescheiterten Putsch vom vergangenen Juli zu stecken. Die Entscheidung Deutschlands stelle einen Schritt dar, "der mit dem Geiste der Allianz nicht einhergeht und den mehrdimensionalen Beziehungen zwischen unseren Ländern schadet", hieß es in der Erklärung. In der Mitteilung des Außenministeriums wird Deutschland auch dazu aufgefordert, die Asylentscheidung rückgängig zu machen.

414 Asylanträge in zehn Monaten

Wie WDR, NDR und die Süddeutsche Zeitung berichten, bestätigte das Bundesinnenministerium, dass erste Anträge auf politisches Asyl türkischer Bürger genehmigt wurden. Konkret handele es sich um 414 Asylanträge von türkischen Soldaten, Diplomaten, Richtern und hohen Staatsbeamten, die zwischen dem Putschversuch und Anfang Mai in Deutschland gestellt wurden, berichten die Medien. Diese Zahl umfasse auch Familienangehörige.

Bei den anerkannten Fällen handele es sich demnach auch um Nato-Soldaten, die vor ihrer Entlassung aus der türkischen Armee in Deutschland stationiert waren. Sie besitzen in der Regel einen Diplomatenpass.

Ende Januar hatte der türkische Verteidigungsminister Fikri Işık gefordert, dass Deutschland alle Asylanträge türkischer Offiziere ablehnen solle.

Gabriel weiter um Diplomatie bemüht

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland gilt als stark angespannt. Ankara wirft den deutschen Behörden vor, "Terroristen" zu beherbergen; Deutschland kritisiert das harte Vorgehen gegen die Opposition in der Türkei.

Nach einem Treffen mit dem türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım in London, sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), dass Deutschland und die Türkei ihre Beziehungen verbessern wollen. "Wir haben uns vor allem darüber ausgetauscht, wie wir wieder zu vernünftigen Beziehungen kommen können", sagte Gabriel. Dies sei auch im Interesse von Deutschen, die in der Türkei in Haft säßen oder das Land nicht mehr verlassen könnten.

Die Politiker hätten zudem über den Kampf gegen die als Terrorgruppe eingestufte PKK und Besuche deutscher Politiker auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik gesprochen. Dort sind Bundeswehrsoldaten stationiert.