Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat die USA dazu aufgefordert, von Waffenlieferungen an die syrische Kurdenmiliz YPG in Syrien abzusehen. "Mein innigster Wunsch ist, dass dieser Fehler ohne Aufschub korrigiert wird", sagte Erdoğan in Ankara. Die türkische Opposition forderte eine Absage von Erdoğans geplantem Besuch bei US-Präsident Donald Trump. Die Waffen seien eine Bedrohung für "die Sicherheit der Region und die Einheit der Türkei", sagte der Sprecher der oppositionellen CHP Bülent Tezcan.

Erdoğan kündigte an, "unsere Sorgen" bei seinem Gespräch mit Trump anzusprechen. Er hoffe, "dass unsere Alliierten an unserer Seite bleiben und nicht an der Seite von Terrororganisationen", sagte er mit Blick auf die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Eine Terrorgruppe mit einer anderen zu bekämpfen, sei ein Fehler.

Die Türkei betrachtet die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation. Sie fürchtet, dass Waffenlieferungen an die YPG in den Händen der PKK landen. Die US-Regierung schätzt die YPG-Miliz dagegen als Verbündeten im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte, "YPG und PKK sind beides Terrorgruppen, es gibt keinen Unterschied zwischen ihnen, sie haben nur andere Namen". Jede Waffe, die in ihre Hände gerate, sei "eine Bedrohung für die Türkei".

Trump hatte die Lieferung schwerer Waffen genehmigt

Zur Vorbereitung des Besuchs reisten in den vergangenen Tagen der türkische Generalstabschef Hulusi Akar, Geheimdienstchef Hakan Fidan und Erdoğans Sprecher Ibrahim Kalin nach Washington. Der New York Times zufolge wurde die Delegation dort von Trumps Sicherheitsberater H. R. McMaster vorab über die neuen Waffenlieferungen an die YPG informiert.

Die US-Militärhilfe für die Kurden belastet seit Monaten die Beziehungen. Angesichts der Kritik aus der Türkei versicherte US-Verteidigungsminister James Mattis, die USA würden eng mit der Türkei bei der Sicherung der syrisch-türkischen Grenze zusammenarbeiten. Es gebe "sehr offene Gespräche" und "alle Bedenken" würden ausgeräumt werden, sagte Mattis.

Das Pentagon hatte zuvor erklärt, Trump habe die Lieferung schwerer Waffen genehmigt, "um einen klaren Sieg über den IS in Rakka sicherzustellen". Der YPG-Sprecher Rêdûr Xelîl sprach daraufhin von einer "historischen" Entscheidung, die seiner Miliz erlauben werde, eine noch größere Rolle im Kampf gegen die Dschihadisten zu spielen.

Die Türkei fordert seit Langem, dass die USA bei der Offensive auf die syrische IS-Hochburg Rakka statt mit der Kurdenmiliz mit der türkischen Armee und protürkischen Rebellen kooperieren. Mattis kündigte am Dienstag an, dass die USA die Türkei in die Offensive einbinden würden. Was dies genau bedeutet, wenn die USA zugleich weiter auf die YPG-Miliz setzen, blieb offen. Die Türkei hatte erst kürzlich Luftangriffe auf YPG-Stellungen geflogen und sich mit ihr Gefechte an der syrisch-türkischen Grenze geliefert.