Der Besuch hätte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt stattfinden können. Am Mittwoch begrüßte Donald Trump den russischen Außenminister Sergej Lawrow im Weißen Haus. Auf der offiziellen Agenda des ersten persönlichen Treffens zwischen einem hochrangigen russischen Amtsträger und dem neuen US-Präsidenten standen Themen, die für wachsende Spannungen zwischen den beiden Mächten sorgen: der Bürgerkrieg in Syrien, der Kampf gegen den "Islamischen Staat", Russlands Vorgehen in der Ukraine und die Bedrohung durch Nordkorea.

Doch es ist eher Trumps persönliches Problem mit Russland, das das Treffen mit Lawrow so unpassend erscheinen lässt. Nur Stunden zuvor hatte Trump den FBI-Chef James Comey entlassen. Comey hatte öffentlich erklärt, er untersuche, ob und welche Verbindungen es zwischen Trumps Wahlkampfteam und Vertrauten des Kremls gegeben habe. Sollte es Trumps Ziel gewesen sein, die Angelegenheit auf diese Weise beizulegen, könnte er sich gefährlich verschätzt haben.

Trump selbst gab natürlich ganz andere Gründe für die Kündigung Comeys an. Der habe "keinen guten Job" gemacht, beschied er Reportern bei einem kurzen Auftritt am Mittwoch. Zuvor allerdings hatte er Comey stümperhaftes Vorgehen bei den Ermittlungen gegen Hillary Clinton als Motiv für dessen Entlassung genannt.

Clinton hatte als Außenministerin einen privaten Server für ihre offiziellen E-Mails benutzt. Comey hatte sie deshalb im Sommer 2016 – mitten im Wahlkampf – für ihre Fahrlässigkeit im Umgang mit vertraulichen Informationen und Amtsgeheimnissen harsch kritisiert, dann aber von einer Strafverfolgung abgeraten. Im Oktober 2016 hatte der FBI-Chef jedoch einen Brief an den Kongress geschrieben, in dem er mitteilte, die Ermittlungen gegen Clinton seien wieder aufgenommen worden. Damals hatte Trump das Vorgehen Comeys ausdrücklich gelobt. Noch im Januar hatte der frisch eingeschworene Präsident dem FBI-Mann bei einem Empfang jovial auf die Schulter geklopft.

Der Rausschmiss am Dienstagabend kam nicht nur für die Öffentlichkeit unvermittelt, Comey selbst erfuhr zunächst aus dem Fernsehen von seiner Kündigung. Trump sei zunehmend genervt gewesen von Comeys prominenten Auftritten vor den verschiedenen Untersuchungskomitees, die Licht in Trumps potenzielle Verbindungen nach Russland bringen sollen, sagte ein Insider im Weißen Haus dem Magazin Politico. Der Präsident habe manchmal den Fernseher angeschrien, wenn Berichte über die Ermittlungen liefen.

Trump fordert Loyalität

Dass Comey im März Trumps wiederholte Behauptung, sein Vorgänger Obama habe ihn während des Wahlkampfes bespitzeln lassen, in aller Öffentlichkeit als haltlos abtat, hat ihm der Präsident, für den Loyalität einen besonders hohen Stellenwert hat, bestimmt nicht verziehen.

Welche Gründe auch immer Trump und seine Vertrauten bewegt haben mögen, sie hatten offenbar nicht mit der vehementen Gegenreaktion gerechnet. Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte am Mittwoch, die Demokraten sollten "in der Straße tanzen und feiern", statt Comeys Abgang zu beklagen, schließlich hätten sie vor Kurzem selbst noch dessen Absetzung gefordert.

Erst vergangene Woche hatte Hillary Clinton Comeys Brief an den Kongress als einen entscheidenden Faktor für ihre Niederlage bezeichnet. Deshalb mag Trump gehofft haben, auch die Opposition werde Comeys Rauswurf begrüßen.

Stattdessen kritisierte Charles Schumer, der führende Demokrat im Senat, Trump heftig dafür, ausgerechnet den Mann hinausgeworfen zu haben, der die Ermittlungen gegen Trumps Vertraute aus Wahlkampfzeiten führte. Das sei ein "Riesenfehler" und "sieht nicht nach einem Zufall aus", sagte Schumer.