Der Geheimdienstausschuss des US-Kongresses hat den entlassenen FBI-Direktor James Comey zu einer Anhörung vorgeladen. Das FBI solle außerdem mögliche Aufzeichnungen Comeys vorlegen, teilten die Vorsitzenden des Ausschusses mit.

Comey solle sowohl öffentlich als auch in einem zweiten Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt werden, hieß es in einem am Mittwoch bekannt gewordenen Brief des Ausschusses an den ehemaligen Chef des FBI. Ob Comey tatsächlich vor dem Geheimdienstausschuss des Senats aussagen wird, blieb zunächst unklar. Eine frühere Einladung von vergangener Woche hatte Comey abgelehnt.

Das Gremium forderte beim FBI sämtliche Notizen Comeys zu seinen Gesprächen mit dem Präsidenten an. Auch andere Ausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus beantragten, die Unterlagen auszuhändigen. Die Anfragen zielen insbesondere auf eine Unterredung im Februar ab, bei der Trump der New York Times zufolge Comey aufgefordert haben soll, die Ermittlungen gegen den früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Flynn war am Tag zuvor wegen seiner dubiosen Russland-Kontakte zurückgetreten. Comey soll über diese Aufforderung des Präsidenten laut dem Fernsehsender CNN derart "entsetzt" gewesen sein, dass er ein Protokoll des Gesprächs verfasste.

Trump sieht sich in der Opferrolle

Das Weiße Haus dementierte, dass das Gespräch in der von den Medien beschriebenen Weise verlaufen sei. Das beendete aber nicht die Diskussion darüber, ob Trump den FBI-Chef in ungebührlicher Form unter Druck gesetzt und sich möglicherweise sogar der Behinderung der Justiz schuldig gemacht habe.

Ermittlungen wegen Russland - Trump soll Comey unter Druck gesetzt haben US-Präsident Donald Trump soll mehreren Medienberichten zufolge versucht haben, die Ermittlungen des FBI gegen sein Team zu verhindern. Ex-FBI-Chef James Comey habe es so notiert. © Foto: Andrew Harrer-Pool/Getty Images

Trump beschrieb sich zuletzt erneut als Opfer einer Medienkampagne. "Kein Politiker der Geschichte" sei "schlechter oder unfairer" behandelt worden, sagte er in einer Rede während einer Abschlussfeier der Akademie der US-Küstenwache im Bundesstaat Connecticut. Doch davon dürfe "man sich nicht unterkriegen lassen". Vergangene Woche hatte Trump Comey damit gedroht, mögliche Unterredungen zwischen den beiden zu veröffentlichen, sollte dieser der Presse Dokumente zustecken.

Auf die spezifischen Vorwürfe, die in den vergangenen Tagen gegen ihn aufgekommen waren, ging Trump in der Rede nicht ein. Er steht auch wegen Berichten unter Druck, wonach er in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow streng geheime Geheimdienstinformationen zum Anti-Terror-Kampf ausgeplaudert haben soll.

Der Geheimdienstausschuss des Senats untersucht eine mögliche Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr. Das FBI ermittelt in dem Fall zu möglichen Absprachen von Mitgliedern aus Trumps Wahlkampfteam – darunter Flynn – mit Vertretern Russland.

Syrien - Trump gab offenbar Geheiminformationen an Lawrow preis Der "Washington Post" zufolge soll US-Präsident Donald Trump dem russischen Außenminister Sergej Lawrow vertrauliche Informationen über die IS-Miliz mitgeteilt haben. Das Weiße Haus wies die Berichte zurück. © Foto: Russian Ministry of Foreign Affairs/dpa