Der angeschlagene venezolanische Präsident Nicolás Maduro will die Verfassung des Landes neu schreiben, um wieder Frieden herzustellen und Regierungsgegner davon abzuhalten, einen Putsch zu versuchen, wie er sagte: "Ziel ist es, den Frieden zu erreichen, den die Republik braucht, und die faschistische Gewalt zu besiegen." Dazu hat Maduro ein Dekret erlassen, um eine entsprechende Versammlung abhalten zu können. Es solle eine Versammlung "des Volkes, nicht der Parteien" sein, sagte der Präsident.

Oppositionsführer Henrique Capriles rief zum Widerstand gegen das Vorhaben auf. "Der Diktator Maduro will die Verfassung der Bolivarischen Republik Venezuela töten", sagte Capriles. Capriles fürchtet, dass die Sozialisten die bisher zumindest auf dem Papier bestehende Gewaltenteilung kippen könnten. Venezuelas Parlamentspräsident Julio Borges nannte Maduros Vorschlag einen "riesigen Betrug". Es gehe nur darum, Maduros Verbündete um jeden Preis an der Macht zu halten, so Borges. Den Venezolanern werde unterdessen weiterhin das Recht verweigert, ihre Meinung bei einer Wahl mit ihrer Stimmabgabe kundzutun. "Was die Bürger Venezuelas wollen, ist nicht, die Verfassung zu ändern, sondern Maduro durch eine Wahl abzulösen", sagte Borges im Osten von Caracas, wo Regierungsgegner mit Sicherheitskräften zuvor aneinandergeraten waren.

Borges rief das Militär auf, in den Konflikt einzuschreiten und einen Putsch durch Maduro zu verhindern. Um die Demokratie im Land wiederherzustellen sei mehr Druck nötig. Borges rief die Protestierenden auf, symbolisch lautstark auf Kochtöpfe zu schlagen – und so ihre Ablehnung zu zeigen, wenn Maduro weitere Details zu seinem Plan vorstellen sollte. Borges forderte außerdem eine Großdemo am Mittwoch.

Oppositionspolitiker bei Protesten verletzt

Die Polizei setzte erneut Tränengas ein, als bei einem friedlichen Marsch auf das Regierungsgebäude Chaos ausbrach. Der Oppositionspolitiker José Olivares wurde von einem Tränengaskanister am Kopf getroffen und verletzt von den Protesten weggeführt. Einige Protestierende warfen Steine und Molotowcocktails, Müll wurde für Barrikaden auf die Straßen geschüttet.

Venezuela steckt in einer anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Proteste begannen, nachdem das oberste Gericht des Landes dem Parlament die Macht entzogen hatte und nur nach internationalem Druck wieder zugestand. Seitdem fordern fast jeden Tag Zehntausende Demonstranten Maduros Amtsenthebung.