In Venezuela hat es erneut gewaltsame Zusammenstöße zwischen der Opposition und der Polizei gegeben. Im Stadtteil Las Mercedes in Caracas starb ein gegen die sozialistische Regierung protestierender 17-Jähriger. "Ein Jugendlicher, der noch das ganze Leben vor sich hatte", kommentierte der Bürgermeister des Stadtteils, Gerardo Blyde, den Vorfall.

In einem anderen Stadtteil von Caracas, in Chacao, fuhr ein Panzerwagen in eine Menschenmenge und verletzte viele Demonstranten zum Teil schwer. Zuvor war er mit Molotow-Cocktails beworfen worden und in Brand geraten. Nach Angaben des Bürgermeisters des Stadtteils, Ramón Muchacho, wurde dabei mindestens ein junger Mann von dem Wagen überfahren und schwer verletzt. Demnach wurden im Krankenhaus von Chacao mehr als 160 verletzte Demonstranten behandelt.

Bislang starben seit Beginn der Protestwelle gegen Staatschef Nicolás Maduro und seine sozialistische Regierung mehr als 30 Menschen. Seit Anfang April riefen die Regierungsgegner zu mehreren Großkundgebungen auf, die immer wieder in Gewalt zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten ausarteten. Anhänger von Maduro gingen ihrerseits massenhaft auf die Straße. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich.

Die Unruhen in dem südamerikanischen Land hatten zuletzt noch zugenommen. Am vergangenen Montag unterzeichnete Maduro ein Dekret, mit dem eine Versammlung einberufen werden soll, die über die Änderung der Verfassung beraten soll. Allein seit Beginn der Woche sind fünf Menschen bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und der Opposition ums Leben gekommen.

Venezuela steckt seit Monaten in einer tiefen politischen Krise. Eigentlicher Anlass für die jüngsten Proteste war die Entscheidung des obersten Gerichtshofs, das von der Opposition kontrollierte Parlament zu entmachten. Dies war erst nach internationaler und inländischer Kritik wieder rückgängig gemacht worden. Darüber hinaus machen konservative und rechtsgerichtete Regierungsgegner Maduro für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land verantwortlich.

Die Opposition fordert eine Volksabstimmung über die Absetzung des Präsidenten, dessen Mandat regulär im kommenden Jahr endet. Zudem verlangen Maduros Gegner einen Termin für die verschobenen Gouverneurs- und die anstehenden Regionalwahlen. Dessen neue Pläne bezeichnet die Opposition als Trick, um diese Wahlen noch weiter zu verzögern. Umfragen deuten darauf hin, dass Maduros Sozialisten in beiden Wahlen schwere Niederlagen erleiden würden.