Bei den gewaltsamen Protesten in Venezuela gegen Präsident Nicolás Maduro ist die Zahl der Toten seit Anfang April auf 39 gestiegen. Wie die Behörden mitteilten, wurde ein 26-Jähriger bei einer Oppositionskundgebung in Caracas erschossen. "Mit großer Trauer muss ich mitteilen, dass ein weiterer junger Mann ermordet worden ist", sagte der Bürgermeister des Stadtteils Baruta, Gerardo Blyde. Bei der Demonstration wurden mehr als 80 Menschen verletzt. Zudem starb ein 32-Jähriger in Mérida an seinen Verletzungen.

Junge Regierungsgegner werfen seit Tagen mitunter auch mit Fäkalien und Urin gefüllte Beutel und Flaschen auf Soldaten und Polizisten der Nationalgarde, die mit Tränengasbomben versuchen, sie zurückzudrängen. Auf einzelnen Behältern stand der Spruch: "Con mucho cariño" (Mit viel Liebe).

Die Opposition fordert das Militär zum Bruch mit Maduro auf. Die Demonstranten sehen Venezuela unter dem Sozialisten auf dem Weg in die Diktatur – sie fordern rasche Neuwahlen und die Freilassung von Gefangenen wie des Oppositionsführers Leopoldo López. Maduro wirft der Opposition vor, mithilfe der US-Regierung von Präsident Donald Trump einen Putsch vorzubereiten – zuletzt traf sich Parlamentspräsident Julio Borges mit hochrangigen US-Vertretern.

Auch mehrere Büsten von Hugo Chávez wurden in den vergangenen Tagen vom Sockel geholt und zerstört – der 2013 verstorbene Präsident hatte das Projekt eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" begründet. Als der Ölpreis noch hoch war, waren in dem Land mit den größten Ölreserven viel weniger Menschen arm.

Heute steht Venezuela nach Jahren der Misswirtschaft vor dem Ruin, Lebensmittel und Medikamente fehlen. Allein 2016 starben rund 11.500 Kinder im Alter von weniger als einem Jahr, was einen Anstieg der Kindersterblichkeit um rund 30 Prozent bedeutet. Mindestens 1.600 Menschen wurden in den vergangenen vier Wochen festgenommen, das von der Opposition dominierte Parlament wehrt sich gegen ein Aburteilen von Gegnern Maduros durch Militärtribunale.