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7. Mai 2017 vor 2 Monaten aktualisiert
© Christian Hartmann/Reuters

Wahl in Frankreich: "Ich werde die Republik verteidigen"

Erleichterung in Europa, Jubel in Paris: Emmanuel Macron hat gegen Marine Le Pen gewonnen. Damit wird er der jüngste Präsident Frankreichs. Unser Liveblog zum Nachlesen

Emmanuel Macron ist der künftige Präsident Frankreichs. Schon um 20 Uhr stand fest, dass der unabhängige Kandidat mit seiner Bewegung En Marche einen Vorsprung hat, den die rechtsextreme Marine Le Pen nicht mehr hätte aufholen können.

Der 39-jährige Macron ist der jüngste Präsident der fünften Republik und er hat versprochen, dem Land Hoffnung und Zuversicht zu geben. Am Abend sagte er vor Tausenden Anhängern in Paris, Frankreich stünden "immense Aufgaben" bevor. Die ganze Welt blicke auf Frankreich. Macron, der zum ersten Mal in ein Amt gewählt wurde – und nun gleich in das höchste des Landes – sagte, alle hätten vor einem Jahr gesagt, was er vorhabe, sei unmöglich. "Aber sie kennen Frankreich nicht!", rief Macron. Er versprach, die gespaltene französische Gesellschaft zu einen. Dem Land werde er "mit Liebe" dienen.

Das Institut Ipsos schätzte die Wahlbeteiligung auf knapp 75 Prozent. Das war deutlich weniger als in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen, als sie noch bei rund 77,8 Prozent gelegen hatte. 4,2 Millionen Franzosen hätten leere Wahlumschläge oder ungültige Wahlzettel abgegeben. Das sind 8,9 Prozent der mehr als 47 Millionen Wahlberechtigten und so viele wie noch nie in Frankreich.

Le Pen gestand ihre Wahlniederlage bereits kurz nach 20 Uhr ein. Im Front National gibt es nun Überlegungen, den Parteinamen zu ändern. Le Pen ließ durchblicken, dass sie ihre Partei im Juni in die Parlamentswahlen führen werde.

Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker Macron steht für einen europafreundlichen Kurs und tritt für eine enge Partnerschaft Frankreichs mit Deutschland ein. Er soll spätestens am 14. Mai die Amtsgeschäfte von François Hollande übernehmen.

Um regieren zu können, braucht Macron allerdings eine Mehrheit in der Nationalversammlung, die am 11. und 18. Juni gewählt wird. Bisher hat seine Bewegung En Marche! überhaupt keine Abgeordneten.

  • 23:59 Uhr
    Sybille Klormann

    Wie geht es weiter nach Macrons Wahlsieg?

    In etwa einer Woche will der 39-Jährige seinen Premierminister und die übrige Regierungsmannschaft vorstellen. Ob der Verfechter einer sozialliberalen Reformpolitik auch eine Regierungsmehrheit bekommt, wird sich bei der Parlamentswahl im Juni entscheiden.


  • 23:37 Uhr
    Vanessa Vu
    Symbolträchtige Musik heute: Emmanuel Macron ging mit der Europahymne auf die Bühne und beendete seine Rede mit der Frankreich-Hymne
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    France: President-Elect Emmanuel Macron sings the French anthem La Marseillaise
    youtube.com
  • 22:57 Uhr
    Hannes Schrader

    Teile der Linken haben sich böllernd und mülltonnenumwerfend den Weg zur Place de la République gebahnt. Der Platz ist von der Polizei teilweise abgeriegelt, jeder, der drauf möchte, muss durch eine Kontrolle, Alkohol ist verboten.


    Auf dem Platz trommelt eine Band, die Marianne wird rot angestrahlt, es riecht nach Merguez. Die Linken diskutieren und wissen nicht mehr so richtig, wohin mit sich.

  • 22:45 Uhr
    Vanessa Vu

    "Danke Freunde, dass ihr da seid", beginnt Emmanuel Macron seine Rede und verteilt Kusshände. Alle Welt hätte ihm gesagt, dass seine Wahl unmöglich sei, aber sie würden Frankreich nicht kennen. "Ich werde die Republik verteidigen", sagt er, verteidigen vor dem Extremismus.

    Als er Marine Le Pen anspricht, buht das Publikum. Er weist sie zurecht: "Pfeifft nicht!" Macron respektiere auch deren Entscheidung.


    Er dankt auch denen, die ihn zwar gewählt hätten, aber nicht mit seinem Programm einverstanden seien. "Ich bin mir unserer Differenzen bewusst", sagt er. Mehrmals betont er, er wolle die Einheit Frankreichs. Die Aufgaben, die bevorstünden – auch das wiederholt er rhetorisch mehrfach – seien immens.

    Die ganze Welt, ganz Europa blicke nun auf Frankreich. Und sie erwarteten, dass Frankreich die Werte der Aufklärung verteidige und die Freiheit. Das habe er vor. Er wolle die Unterdrückten schützen, Sicherheit gewährleisten, Andersdenkende respektieren und für die Umwelt und die Wahrheit kämpfen.

    "Ich werde versöhnen", sagt Macron. Er werde Frankreich mit Liebe dienen.

    Für einen Wandel brauche er eine Mehrheit, sagt er mit Blick auf die kommende Parlamentswahl. Daher danke er nicht nur seinen Wählern, sondern bitte um weitere Unterstützung. "Ich will die Einigkeit unseres Volkes und unseres Landes", sagte er zum Abschluss. Und: "Liberté, Egalité, Fraternité".

  • 22:27 Uhr
    Vanessa Vu

    Aufatmen auch unter vielen Muslimen: Für die Grande Mosquée, die wichtigste Pariser Moschee, ist die Wahl Macrons ein Zeichen für eine Versöhnung zwischen den Religionen in Frankreich. Der Sieg lasse hoffen, dass französische Muslime in Harmonie und Respekt leben könnten, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Man wolle sich an Werten orientieren wie Humanismus, Patriotismus, Demokratie und Laizismus, die klare Trennung von Staat und Religion.

  • 22:10 Uhr
    Sybille Klormann

    Die Bundeskanzlerin hat Emmanuel Macron eine enge Zusammenarbeit zugesichert. Angela Merkel habe bereits mit dem neuen französischen Präsidenten telefoniert, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. "Die Bundeskanzlerin freut sich darauf, im Geist der traditionell engen deutsch-französischen Freundschaft vertrauensvoll mit dem neuen Präsidenten zusammenzuarbeiten."

    Merkel habe Macron in dem Telefonat herzlich zum Wahlsieg gratuliert und dessen Eintreten für eine geeinte und weltoffene Europäische Union gewürdigt. Die Entscheidung der französischen Wähler sei damit auch ein klares Bekenntnis zu Europa. 

    Aus dem Umfeld Macrons in Paris hieß es, das Telefonat zwischen ihm und der Kanzlerin sei "sehr herzlich" gewesen. Der neue Präsident wolle schon bald nach Berlin reisen.

  • 22:04 Uhr
    Fabian Federl

    Emmanuel Macron ist jetzt in Begleitung eines Polizeikonvois auf dem Weg von seinem Hauptquartier in der Rue Abbé Groult im Südwesten von Paris zum Louvre. 


    Die Menschen hier warten auf den neu gewählten Präsidenten – und werden immer wieder vom Moderator vertröstet: "Unser Präsident wird sehr bald hier mit uns zusammen feiern."

  • 22:00 Uhr
    Georg Blume

    Nicht, dass es die Leute hier in Paris um 20 Uhr von den Stühlen gerissen hätte. Wer im Café Autobus im 11. Pariser Arrondissement, nicht weit vom Platz der Republik, draußen auf der Terrasse Platz genommen hat, der blieb dort auch sitzen, als drinnen im Café Frankreichs neuer Präsident verkündet wurde. 

    "Drei, zwei, eins – Marine", scherzt die junge Barangestellte, als auf dem Fernsehbildschirm über ihrem Tresen der Countdown für die Hochrechnung beginnt. "Ruhe, das ist kein guter Witz", schallt es ihr sogleich von den drei Männern an der Bar zurück. Die schauen allerdings nur kurz auf, bevor sie ihre Blicke wieder auf die Gläser vor ihnen richten, als endlich Emmanuel Macron mit über 65 Prozent als Wahlsieger bekannt gegeben wird.

    Ein ruhiger, älterer Mann sitzt vor einem Rotweinglas und fragt: "Wozu das wochenlange Theater? Das Ergebnis wussten wir vorher." Schon um 20.01 Uhr konzentriert er sich wieder auf das Drehen seiner Zigarette. "Seid keine Spielverderber! Wer will Champagner?", fragt nun die Barangestellte. Doch sie bekommt keine Antwort.

  • 21:51 Uhr
    Vanessa Vu
    Wer die Wahlparty vor dem Louvre mitverfolgen will: En Marche!, die Bewegung von Emmanuel Macron, überträgt den Abend live auf YouTube. Bis zu Macrons Auftritt gibt es vor allem Musik. Gerade legt Richard Orlinski auf.
    Ensemble ce soir, en direct du Louvre.
    Soirée électorale au Louvre | Emmanuel Macron
    youtube.com
  • 21:47 Uhr
    Karin Geil

    Der Front National soll nicht länger so heißen. Nach den Worten von Vizeparteichef Florian Philippot wird die Partei ihren Namen ändern. Wie dieser lauten soll, sagte er nicht.



    Einen ersten Hinweis gab zuvor Marine Le Pen, als sie ankündigte, dass sie ihrer Partei eine tiefgreifende Umwandlung vorschlagen werde. Sie sprach von einer Fortführung der "Patriotischen und Republikanischen Allianz" – unter diesem Namen hatte Le Pen ihr Bündnis mit dem konservativen EU-Skeptiker Nicolas Dupont-Aignan geschlossen, der im ersten Wahlgang gescheitert war.

  • 21:38 Uhr
    Vanessa Vu



    Den Wahlsieg hat Emmanuel Macron genutzt, um in seiner Wahlkampfzentrale einende Worte zu sprechen. Er kenne "die Wut, die Angst und die Zweifel", die viele Franzosen zu einer extremen Wahl getrieben hätten. Dies respektiere er. Sein Ziel sei es nun, "die Einheit der Nation zu sichern" und die Bürger wieder mit Europa auszusöhnen

    So sagte er: "Ich werde daran arbeiten, die Verbindung zwischen Europa und seinen Völkern wieder zu beleben, zwischen Europa und seinen Bürgern."

    Er wolle die Schwächsten schützen und Diskriminierung bekämpfen. Auch Terrorismus sprach er an: "Frankreich wird an vorderster Stelle gegen den Terrorismus kämpfen, auf dem eigenen Boden und auf internationaler Ebene."

    Macron hatte die Stichwahl laut Hochrechnungen mit rund 65,5 Prozent gewonnen, die Rechtspopulistin Marine Le Pen kam auf rund 34,5 Prozent. In wenigen Minuten wird er beim Pariser Louvre-Museum erwartet, um mit seinen Anhängern den Wahlsieg zu feiern.

  • 21:34 Uhr
    Hannes Schrader

    Der schwarze Block, die Antifa und diverse Abstentionistes – also Nichtwähler – haben sich in Ménilmontant zu Demonstrationen getroffen.




    Es riecht nach Tränengas, Menschen müssen aus einem Schnellrestaurant gebracht werden. Die Gruppe bewegt sich jetzt Richtung Place de la République.

  • 21:24 Uhr
    Fabian Federl

    Viele Wähler, allen voran jene von Jean-Luc Mélenchon, hatten schon zwischen den Wahlgängen angekündigt, nicht wählen zu wollen.

    Nun ist es wirklich so gekommen, die Wahlbeteiligung lag laut einer Umfrage von Elabe bei 74 Prozent – also noch niedriger als beim ersten Wahlgang und so niedrig wie seit 1969 nicht mehr.

    So viele Franzosen wie nie haben sich für eine sogenannte weiße Stimme, also eine ungültige Stimme entschieden. Der Weißwähler geht zur Wahl, akzeptiert, dass es seine bürgerliche Pflicht ist, und gibt dann einen leeren Zettel ab. Aus Protest. Im Ergebnis ist das zwar dasselbe wie eine Enthaltung. Doch steht die Abgabe eines solchen Stimmzettels symbolisch für den Respekt des Wählers gegenüber dem demokratischen Prozess. 

    Zwischen zehn und elf Prozent sollen eine ungültige Stimme abgegeben haben. Das entspricht vier Millionen Franzosen. 

  • 20:59 Uhr
    Hannes Schrader

    An der Place de la Bastille ist noch alles ruhig.



    Die Wähler des linken Kandidaten Mélenchon und andere linke Gruppierungen und Autonome haben für heute Abend Demonstrationen angekündigt. Unter dem Motto Ni Macron Ni Le Pen ("Weder Macron noch Le Pen") wollen sie gegen eine Wahl demonstrieren, die für sie keine war.

    Noch ist allerdings niemand hier. Das könnte auch daran liegen, dass keine zentrale Demo angekündigt wurde – auch an der Place de la République und der Place de la Concorde wurde zu Demonstrationen aufgerufen.

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