Das Ergebnis für Wahlsieger Emmanuel Macron war eindeutig, doch abgestimmt haben so wenige Franzosen wie seit fast 40 Jahren nicht: Die Wahlbeteiligung in der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahl lag bei 74,3 Prozent, niedriger war sie nur 1969. Eine ähnliche Tendenz lässt sich beim vote blanc erkennen: Noch nie haben so viele Franzosen einen leeren Wahlumschlag oder ungültige Wahlzettel abgeben. 8,9 Prozent der Wahlberechtigten entschieden sich laut einer Analyse des Instituts Ipsos für diese Variante der Abstimmung.

Über das Verhalten von Nichtwählern und Unentschlossenen hatten Medien und Umfrageinstitute vor der Stichwahl viel spekuliert: Erstens, weil die Kandidaten Macron und Marine Le Pen so gegensätzlich waren. Zweitens, weil sich viele Franzosen, die in der ersten Runde etwa für den konservativen François Fillon oder den linken Jean-Luc Mélenchon gestimmt hatten, nicht dazu durchringen konnten, Macron nur zu wählen, um seine rechtsextreme Gegenkandidatin zu verhindern. Es war allerdings auch befürchtet worden, dass eine niedrige Wahlbeteiligung und viele ungültige Stimmen Le Pen nutzen – das hat sich nicht bewahrheitet. Macron hat die Wahl mit 66,1 zu 33,9 Prozent gegen Le Pen gewonnen.

Für genauere Details, wie sich die Wähler von Macron und Le Pen in der Gesellschaft verteilen, existieren bisher nur Daten aus einer Vorwahlbefragung zwischen dem 4. und 6. Mai des Umfrageinstituts Ipsos. Demnach bestätigt sich ein Trend, der auch den ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl dominierte: Macron punktet trotz seiner jugendlichen Aufbruchstimmung am stärksten in der Altersgruppe 60 und 70 plus.

Aber auch die ganz jungen Wähler im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, die in der ersten Runde noch mit relativer Mehrheit Mélenchon wählten, äußerten in der Befragung kurz vor der Stichwahl eine deutliche Absicht, Macron zu wählen. 66 Prozent von ihnen wollten für den Ex-Wirtschaftsminister stimmen. Wähler mit der Absicht, für Le Pen zu stimmen, stammen dagegen am häufigsten aus der Altersgruppe zwischen 35 und 49 Jahren. Hier wollten 43 Prozent der Befragten für sie stimmen.

Den Befragungen zufolge verdienen Macron-Wähler mehr Geld als die seiner Kontrahentin. 75 Prozent der Befragten, die für den Linksliberalen stimmen wollten, haben in ihrem Haushalt mehr als 3.000 Euro zur Verfügung. Befragte mit der Absicht, Le Pen zu wählen, sind mit 45 Prozent dagegen am ehesten in der Einkommensgruppe unter 1.250 Euro vertreten.

Obwohl der Front National schon in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vor allem auf Arbeiter und Arbeitslose unter den Wahlberechtigen gesetzt hatte, konnte Marine Le Pen weder bei potenziellen Wählern mit niedrigem Bildungsniveau noch bei Arbeitslosen die Mehrheit für sich gewinnen. Zwar äußerten die Wähler hier noch die deutlichste Absicht, für Le Pen zu stimmen. Unter den Arbeitslosen etwa wollten aber trotzdem 53 Prozent der Befragten für den wirtschaftsliberalen Macron stimmen. Grundsätzlich zeigte sich: Je besser ausgebildet die Wähler, desto eher planten sie, Macron zu wählen.

Das Umfrageinstitut stellte den Wählern auch die Frage, wie die jüngere Generation im Vergleich zu ihnen lebe. Danach schätzten 41 Prozent der befragten Franzosen mit der Absicht, für Le Pen zu stimmen, das Leben der Jüngeren als schlechter ein. Macrons potenzielle Wähler sagten dagegen jeweils zu rund 80 Prozent, dass es ihnen besser oder genauso gut gehe.

Die Verteilung zwischen Frauen und Männern ist in etwa ausgeglichen. 62 Prozent der Frauen und 68 Prozent der Männer äußerten ihre Absicht, Macron zu wählen. Somit schneidet Le Pen bei den Frauen sogar besser ab. Zwar konnte der Front National sein Image als Männerpartei mit Marine Le Pen an der Spitze ablegen. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl war das Verhältnis aber noch geringfügig anders: Da wollten mehr Frauen als Männer für Macron statt Le Pen stimmen.

Im Stadt-Land-Vergleich schneidet Macron besonders gut in Kleinstädten und in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern ab. 65 respektive 72 Prozent der Befragten wollten dort für ihn stimmen. Le Pens Unterstützer kommen dagegen eher aus ländlichen Regionen, aber auch aus mittelgroßen Städten mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern.

In den Hochburgen des Front National im Nordosten und im Süden Frankreichs ist Le Pen nach wie vor stark. Mehrheitlich stimmten dem französischen Innenministerium zufolge die Menschen aber nur in zwei Departements für sie: Im Norden, in Pas-de-Calais und in Aisne holte sie 52 und 53 Prozent der Stimmen. In Pas-de-Calais liegt auch ihr Wahlkreis, den sie mit 62 Prozent der Stimmen holte. Im selben Departement liegt Macrons Wahlkreis Le Touquet, den er mit 81 Prozent der Stimmen gewann.