Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die im Osten von Afghanistan gelegenen Felsentunnel von Tora Bora von den islamistischen Taliban erobert. Der IS habe die strategisch wichtige Festung an der Grenze zu Pakistan nach viertägigen Kämpfen erobert, sagte ein Mitglied des Provinzrats von Nangarhar. Durch die Kämpfe seien zahlreiche Zivilisten vertrieben worden.

Talibansprecher Sabiullah Mudschahid wies die Berichte von der Eroberung ihrer Stellung im Gespräch mit der New York Times allerdings zurück. Die Kämpfe gingen weiter. Tora Bora sei die Frontlinie zwischen IS und Taliban, bisher sei keine Partei vorangekommen.

Tora Bora wurde als Zuflucht von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bekannt, der sich dort nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 versteckt gehalten hatte. Zuletzt waren sie an die Taliban gefallen, die im Krieg mit der afghanischen Regierung landesweit Territorium gewinnen.

Der IS war in Afghanistan erst Anfang 2015 aufgekommen und erreichte bisher nie große Kämpferzahlen. Die ostafghanische Provinz Nangarhar blieb seine einzige große Basis. Auch die Taliban bekämpfen die Terrormiliz. Mit Tora Bora verfügt der IS nun über eine schwer zu erobernde Stellung.

Seit Monaten ist der IS Ziel zahlreicher US-Luftangriffe, im April hatten die USA in Nangarhar auf IS-Stellungen die größte nicht-nukleare Bombe in ihrem Arsenal abgeworfen.  Noch Anfang Mai töteten afghanische Einsatzkräfte und US-Militärs bei einer Operation den IS-Anführer in Afghanistan, Abdul Hasib.