Fünf Tage nach der Explosion in der Nähe der deutschen Botschaft in Kabul sind die Hintermänner und deren Ziel weiterhin unklar. Bei dem Anschlag wurden mindestens 90 Menschen getötet und etwa 460 verletzt. Die afghanische Telekommunikationsfirma Roshan teilte mit, dass durch den Anschlag 31 Mitarbeiter von Roshan und ihren Partnerfirmen getötet worden seien. Mehr als 50 Angestellte einer der größten Firmen des Landes seien verletzt worden. Das Büro von Roshan befindet sich in der Nähe des Anschlagsorts, wo am Mittwoch eine Lastwagenbombe explodierte.

Noch am Sonntag warteten Menschen vor Kabuler Kliniken, um die Überreste vermisster Angehöriger zu identifizieren. Die heftige Explosion hatte auch ein Gebäude der deutschen Botschaft schwer beschädigt. Ob sie das Ziel des Anschlags war, ist noch immer ungeklärt. "Der Wassertanker wollte durch den Sicherheitsposten neben der deutschen Botschaft in die gesicherte Zone – aber mit welchem Ziel, das wissen wir noch nicht", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch.

Die Botschaft und andere deutsche Institutionen hatten nach Informationen aus Sicherheitskreisen zuvor Drohungen erhalten. Das galt aber auch für andere Botschaften, die ebenfalls in der gesicherten Zone liegen. Die staatliche deutsche Entwicklungshilfsorganisation GIZ flog nach dem Anschlag einen Großteil ihrer Mitarbeiter aus.

Demonstrationen für mehr Sicherheit im Land

Bei Demonstrationen für mehr Sicherheit im Land wurden zwei Tage nach dem Anschlag mindestens sieben Menschen getötet, als Polizisten in die aufgebrachte Menge schossen. Während des hochrangig besuchten Begräbnisses eines getöteten Demonstranten sprengten sich dann am Samstag drei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie hatten den Sprengstoff in ihren Schuhen versteckt, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Die Attentäter hatten sich in der Nähe von Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah und Außenminister Salahuddin Rabbani positioniert, die aber beide unverletzt blieben. Abdullah und Rabbani gehören zur politischen Opposition, die Präsident Aschraf Ghani nach den Wahlen 2014 zwangsweise in die Einheitsregierung miteinbezogen hatte.

Es verbreiteten sich Verschwörungstheorien, die unter anderem besagten, der Ghani-Teil der Regierung arbeite mit Terroristen zusammen, um die Opposition aus dem Weg zu räumen. Sie kamen in einer live übertragenen Pressekonferenz der großen Oppositionspartei Dschamiat-i Islami wieder zur Sprache, in der Rabbani die Entlassung hochrangiger Sicherheitsbeamter verlangte, die von Ghani ernannt worden waren.

Das renommierte Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network warnt in einer Analyse, dass die Politisierung der Anschläge die ohnehin wackelige Einheitsregierung weiter spalten und lähmen könnte.