Die afghanische Regierung hat die Zahl der Opfer des Anschlags am vergangenen Mittwoch nach oben korrigiert: In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mehr als 150 Menschen getötet worden. 300 weitere seien verletzt worden, sagte der afghanische Präsident Aschraf Ghani zum Auftakt einer Friedenskonferenz in Kabul. Bislang war von 90 Toten gesprochen worden.

Explosion in Kabul

Im Diplomatenviertel von Kabul ist etwa 150 Meter von der deutschen Botschaft entfernt eine Autobombe explodiert.

Ghani sagte, der Angriff habe dem gesamten Diplomatenviertel gegolten. Er stellte den radikalislamischen Taliban ein Ultimatum für Friedensgespräche. Das sei die letzte Chance für die Aufständischen, ihren 16-jährigen Kampf zu beenden und sich an dem politischen Diskurs in seinem Land zu beteiligen. "Ergreift sie oder tragt die Konsequenzen", sagte Ghani. Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich für Friedensgespräche ausgesprochen.

An der Konferenz mit dem Namen Kabuler Prozess nehmen Vertreter aus mehr als 20 Ländern teil. Sie diskutieren über Politik- und Sicherheitsfragen in Afghanistan. Auch Pakistan ist vertreten, dem Afghanistan vorwirft, die Taliban zu unterstützen.

Während der Konferenz schlug unweit des Veranstaltungsortes eine Rakete ein. Nach Behördenangaben wurde ein Grünbereich der italienischen Botschaft getroffen. Die Rakete habe keinen Schaden eingerichtet.   

Friedensgespräche bisher erfolglos

Im Diplomaten- und Regierungsviertel war in der vergangenen Woche eine Autobombe explodiert. Unter anderem wurde die deutsche Botschaft massiv beschädigt. Die Regierung macht das mit den Taliban verbündete Hakkani-Netzwerk verantwortlich. Auch danach kam es zu Gewalt: Bei Demonstrationen für mehr Sicherheit in dem Land kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. An eines dieser Opfer sollte eine Trauerfeier am Samstag erinnern. Dabei explodierten drei Bomben, mindestens zwanzig Menschen starben. Wegen der anhaltenden Gewalt setzte die Bundesregierung Sammelrückführungen abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan zunächst aus.

In der Vergangenheit gab es mehrere Versuche, mit den Taliban Frieden zu schließen. Sie sind aber alle gescheitert. Die Taliban fordern als Voraussetzung für Friedensgespräche den Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan.