Scott Pruitt erwies seinen Amtskollegen nur kurz die Ehre. Der Chef der US-Umweltbehörde EPA verließ das Umweltministertreffen der G7 in Bologna schon wenige Stunden nach dessen Beginn und flog zurück nach Washington. Es war ihm wichtiger, dort an einer Kabinettssitzung teilzunehmen, als sich mit den Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Japans, Großbritanniens und Kanadas über eine mögliche gemeinsame Klimapolitik auseinanderzusetzen.

Die Zurückbleibenden erklärten, sie wollten auch weiterhin am Pariser Klimaabkommen festhalten. Pruitt aber teilte unbeeindruckt mit: "Wir stellen den Dialog auf null, um zu sagen, dass Paris nicht der einzige Weg ist, um Fortschritte zu erzielen."

Fortschritte? Damit meint der EPA-Chef wohl nicht den Umweltschutz. Im Abschlusskommuniqué des Ministertreffens erklären die USA zwar floskelhaft, sie wollten auch künftig "mit zentralen internationalen Partnern auf eine Art zusammenarbeiten, die zu unseren innenpolitischen Prioritäten passt, um die Wirtschaft stark und die Umwelt gesund zu erhalten". Doch nichts am bisherigen Handeln der Regierung von Donald Trump deutet darauf hin, dass sich der Präsident und seine innenpolitischen Verbündeten für den Schutz der Umwelt tatsächlich interessieren – oder für eine internationale Zusammenarbeit, wie sie notwendig wäre, um globale Gemeinschaftsgüter wie die Ozeane oder das Klima besser zu schützen.

Sie haben auch kein Problem damit, andere Regierungen ihre Missachtung spüren zu lassen; nicht nur in Bologna. Als in New York vor wenigen Tagen die erste UN-Konferenz zum Schutz der Weltmeere stattfand, war die UN-Botschafterin der USA nicht einmal im Land.

Die Lüge vom "Schmiergeldfonds"

Was Donald Trump und seine Verbündeten interessiert, ist Macht und ihr eigener Vorteil. Um den zu gewinnen, verbreitet der Präsident sogar Lügen, die leicht zu widerlegen sind, wie zum Beispiel die Behauptung, das Pariser Klimaabkommen habe einen "Schmiergeldfonds" ins Leben gerufen, der durch Steuergeld (der USA) finanziert werde. 

Die US-Regierung führe einen Propagandakrieg, ähnlich wie autoritäre Machthaber das auch täten, schreibt der Journalist und Blogger Eric Boehlert für die liberale Organisation Media Matters, die vor 13 Jahren gegründet wurde, um konservative Fehlinformationen in den Medien aufzudecken. Trump aber hat diese Propaganda nicht erfunden. Einflüsterer der Ölindustrie, zum Beispiel die einflussreichen Milliardäre Charles und David Koch, haben seiner Antiklimapolitik den Boden bereitet. Und Trumps Wähler, die Basis seiner Macht, scheinen selbst offensichtliche Lügen nicht zu stören.

Als der Präsident den Austritt der USA aus dem Klimaabkommen verkündete, schrieb ihm Ingo Arzt, Wirtschaftsredakteur der taz, einen in trumpschem Englisch verfassten Brief. Auch Trumps Sohn Barron und sein Enkel Tristan würden den Klimawandel zu spüren bekommen, stand darin. Trump aber könne ihre Zukunft retten. "You like deals? This is the best deal. Ever."

Man könnte auch sagen: Den Klimaschutz zurückzudrehen bringt Trump und den Seinen in Wahrheit keine Vorteile, zumindest nicht auf lange Sicht. Im Laufe der Jahre nämlich werden die kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinne des Präsidenten und seiner Unterstützer zerbröseln. Trump mit seinen 70 Jahren wird die Folgen des Klimawandels wohl nicht mehr selbst spüren, seine Kinder und Enkel aber schon.

Das Problem ist, dass der US-Präsident ganz offensichtlich so nicht denkt. Seine Welt teilt sich in Gewinner und Verlierer; sein Leben lang hat er gelernt, dass die Regeln, nach denen andere leben, für ihn nicht gelten – und dass er selbst und die Seinen selbstverständlich zu den Gewinnern gehören. So gesehen muss Trump die Zukunft seiner Enkel gar nicht retten; das werden sie schon selbst tun. Die Verlierer aber sind aus der Sicht des Präsidenten schlicht zu schwach und tragen selbst die Schuld an ihrem Los.

Mauern und Waffen gegen die anderen

Der Klimawandel trifft jetzt schon die Schwächsten besonders. Mehr als andere leiden sie unter Stürmen, Extremregen und Dürren – auch in den USA, deren Küstenbewohner den Anstieg des Meeresspiegels bereits spüren. Zum Beispiel in Atlantic City, wo das Wasser regelmäßig in die Häuser der ärmeren Bewohner drückt, während die Viertel der Wohlhabenden durch Baumaßnahmen gut geschützt werden, wie der Reporter John Upton für das Klimaportal Climate Central berichtet.

Die Reichen und Mächtigen lassen also Deiche bauen und Straßen verlegen. Soll doch Nahrung knapp und teuer werden – in Trumps Welt wird es den Gewinnern nicht schwerfallen, die hohen Preise zu zahlen; und um die Armen abzuwehren, werden sie eben noch mehr Mauern hochziehen. Selbst Hungeraufstände wären aus einer solchen Perspektive kein großes Problem. Für seine extremen Unterstützer ist das Leben ein darwinistischer Wettkampf, den nur die Stärksten gewinnen können. Wenn nötig, dann eben mit Gewalt. Es ist nur folgerichtig, dass ihr Präsident die Militärausgaben erhöht, statt anzuerkennen, dass der Klimawandel die Sicherheit auch seines Landes bedroht.

Zum Glück gibt es in den USA auch Unternehmen, private Organisationen, Bundesstaaten und Städte, die sich gegen den Egoismus stellen. Doch niemand sollte sich der Illusion hingeben, sie könnten diesen Präsidenten umstimmen. Die Zukunft der anderen ist Donald Trump herzlich egal.