Die Scheichs von Doha wissen genau, was Donald Trump gefällt. "Wir schaffen 60.000 Arbeitsplätze in den USA", flötete das katarische Verteidigungsministerium per Pressemitteilung, als es am Mittwoch seinen jüngsten Zwölf-Milliarden-Waffenkauf verkündete. Aus Sicht des superreichen Golfstaates sind die Petrodollar für die 36 F-15-Kampfflugzeuge besonders gut angelegt. Denn das Geschäft dürfte den US-Präsidenten besänftigen und gleichzeitig die Versuchung des erzürnten Nachbarn Saudi-Arabien vom Tisch wischen, den widerspenstigen Däumling am Golf nötigenfalls militärisch in die Knie zu zwingen.

Schon der Besuch des saudischen Außenministers Adel al-Jubeir bei seinem US-Amtskollegen Rex Tillerson letzte Woche endete auffallend eisig. Und um seine Warnung an Riad zu unterstreichen, nach Jemen kein zweites Kriegsabenteuer anzuzetteln, schickte das Pentagon zwei Kriegsschiffe nach Doha, die gemeinsame Manöver mit der Minimarine des Emirs machen sollen. Schließlich unterhalten die USA in Katar ihre größte Luftwaffenbasis im Nahen und Mittleren Osten, von der aus der gesamte Feldzug gegen den "Islamischen Staat" koordiniert wird.

Trotzdem sinnen Saudi-Arabien und seine Alliierten über zusätzliche Sanktionen nach, etwa den Abzug aller Einlagen aus katarischen Banken. Doch auch im eigenen Golf-Kooperationsrat verbreitern sich die Risse. So stellte Oman jetzt seine beiden Häfen Sohar und Salalah zur Verfügung, um Container für Katar umzuladen und im Shuttle-Verkehr zum Hamad-Hafen der belagerten Halbinsel zu bringen. Damit wird jede Form von Seeblockade unmöglich, auch wenn sich der bisherige Umschlaghafen Jebel Ali in Dubai weiter weigert, Schiffe für Katar abzufertigen.

Die beiden weltweit größten Containerreedereien Maersk und MSC informierten ihre Kunden, die unterbrochenen Transporte würden wieder aufgenommen, und zwar über Oman. Türkei und Iran schickten Lebensmittel per Luftfracht. Das Gleiche kündigte Marokko an, das – ähnlich wie Tunesien – entspannte politische Beziehungen zu Katar pflegt. Einzig seine Heliumgas-Exporte musste Katar vorerst stoppen, weil der Landweg nach Saudi-Arabien gesperrt ist. Das kleine Emirat produzierte zuletzt 25 Prozent des Weltbedarfs.

15 Jahre Haft für Sympathie mit Katar

Dagegen geraten Saudi-Arabien, die Emirate und Bahrain nun selbst unter Druck und handelten sich einen schweren Rüffel von UN-Menschenrechtskommissar Zeid Raad al-Hussein ein. Alle drei weisen pauschal katarische Bürger aus, blockieren zahlreiche Nachrichtenportale im Internet und drohten jedem Haftstrafen bis zu 15 Jahren an, der Sympathie für Katar äußert.

Sämtliche Hotels müssen Al-Jazeera aus ihren Hausnetzen entfernen, die Büros des ungeliebten Senders in Riad, Abu Dhabi und Bahrain wurden geschlossen. Denn Al-Jazeera ist den Potentaten am Golf schon lange ein Dorn um Auge. In der arabischen Welt gehört er mit 40 bis 50 Millionen Zuschauern zu den Medien mit der größten Reichweite. Die saudischen TV-Stationen dagegen gelten als langweilig, bedeutungslos und verschroben. Auch der in Katar ansässige Sportkanal beIN, der praktisch alle internationalen Fußballrechte für Nahost besitzt, darf in Saudi-Arabien und den Emiraten künftig nicht mehr abonniert werden. Die beIN-Website wurde gesperrt.

Die Krise am Golf um den gasreichen Zwergstaat war vor zehn Tagen ausgebrochen. Seine Nachbarn Saudi-Arabien, Emirate und Bahrain werfen Katar vor, Terrorgruppen in der Region zu finanzieren und ein zu enges Verhältnis zum Iran zu pflegen, mit dem sich Doha sein größtes Gasfeld teilt. Nach westlichen Erkenntnissen jedoch werden radikale Gruppen nicht nur von Katar durch reiche Einzelpersonen und religiöse Stiftungen gesponsert, sondern auch von Kuwait und von Saudi-Arabien.