Enda Kenny hat sein Amt als Premierminister Irlands abgegeben. "Es ging nie um mich, sondern immer um die Probleme und die Herausforderungen für die Menschen in unserem Land", sagte der Fine-Gael-Politiker in seiner letzten Ansprache als Regierungschef vor dem Parlament in Dublin. Kenny leitete noch ein Treffen des Kabinetts, bevor er am Abend zu Präsident Michael Higgins fuhr, um seine Rücktrittserklärung abzugeben. Sein Nachfolger wird der ehemalige Sozialminister Leo Varadkar.

Kenny hatte schon Mitte Mai seinen Rückzug aus der konservativen Partei angekündigt. Der 66-Jährige stand seit Monaten wegen seiner Rolle in einer Schmutzkampagne gegen einen Polizei-Whistleblower unter Druck, der Fehlverhalten von Kollegen angeprangert hatte und daraufhin gemobbt wurde.

Kenny behauptete im Parlament, erst spät von den Vorwürfen erfahren zu haben – und musste dies später richtigstellen. Er war seit 2002 Parteichef und seit 2011 Premier. Die fragile Minderheitsregierung von Fine Gael wird von der ebenfalls konservativen Partei Fianna Fáil unterstützt.

Kennys designierter Nachfolger Varadkar war schon am 2. Juni zum neuen Chef der konservativen Fine Gael gewählt worden. Aller Voraussicht nach wird der 38-jährige Arzt am Mittwoch in Dublin vom irischen Parlament als Regierungschef bestätigt.

Er wäre dann nicht nur der bisher jüngste Premierminister seines Landes, sondern auch der erste offen homosexuelle. Noch bis 1993 waren im katholisch geprägten Irland homosexuelle Beziehungen strafbar.