Der Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, ist möglicherweise tot. Das russische Außenministerium prüft nach eigenen Angaben Berichte, wonach Al-Bagdadi bei einem russischen Luftangriff im Süden der syrischen Stadt Rakka getötet worden ist.

Der Angriff fand den Informationen zufolge in der Nacht auf den 28. Mai statt. Al-Bagdadi habe sich an dem Abend mit anderen Anführern des IS getroffen. Sie sollen Routen geplant haben, um die umkämpfte Stadt Rakka zu verlassen. Das russische Militär habe von der Beratung erfahren und Drohnen gestartet, um das Gebiet zu überwachen. Dann hätten Kampfflugzeuge angegriffen. Die USA seien von dem geplanten Einsatz in Kenntnis gesetzt worden.

Neben Al-Bagdadi sollen 30 Mitglieder der mittleren Führungsebene des IS getötet worden sein. Zusätzlich seien etwa 300 IS-Kämpfer gestorben.

Eine offizielle Bestätigung für den Tod Al-Bagdadis gibt es nicht. In der Vergangenheit war er bereits mehrmals für tot erklärt worden. Zuletzt hatte die syrische Regierung behauptet, den IS-Führer mit Luftangriffen getötet zu haben. Der IS-Experte der ZEIT, Yassin Musharbash, twitterte, dass dschihadistische Organisationen normalerweise den Tod ihrer Anführer zugeben würden. Sollte Al-Bagdadi tot sein, werde der IS das wahrscheinlich bestätigen. Die USA hatten Ende vergangenen Jahres ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet 22,43 Millionen Dollar auf Al-Bagdadi ausgesetzt. 

Flucht von Mossul nach Rakka

Al-Bagdadi wurde 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak. Experten vermuten, dass er sich in dieser Zeit entscheidend radikalisierte.

2010 übernahm Al-Bagdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch "Islamischer Staat im Irak" hieß. Die Gruppe begann daraufhin, Gebiete in Syrien zu erobern. Dabei brach Al-Bagdadi mit Al-Kaida. Mit der Ausrufung des sogenannten Kalifats im Juni 2014 benannte sich die Terrormiliz in "Islamischer Staat" um. Wenige Tage danach hielt Al-Bagdadi in einer Moschee im nordirakischen Mossul eine Freitagspredigt. Bis zu diesem ersten öffentlichen Auftritt war nicht bekannt, wie er aussieht. Kurz darauf kursierten mehrfach Gerüchte, dass Al-Bagdadi getötet worden sei, die sich aber als falsch erwiesen.

Wegen des Angriffs des irakischen Militärs auf Mossul soll sich Al-Bagdadi nach Rakka in Syrien abgesetzt haben. Rakka wurde vom IS zur Hauptstadt ernannt, dort sollen sich bis zu 4.000 Kämpfer der Terrormiliz aufhalten. Eine Allianz von kurdischen Truppen greift die Stadt seit Anfang Juni an, nachdem sie Rakka monatelang umzingelt hatte. Menschenrechtler rechnen mit langwierigen Kämpfen.