Dass sich Jeff Sessions in der Gesellschaft der Senatoren noch immer wohlfühlt, wurde am Dienstag schnell deutlich. Gleich zu Beginn seines schriftlichen Statements sprach der US-Justizminister die Mitglieder des Geheimdienstausschusses des Senats wiederholt als "Kollegen" an und lächelte dabei in bekannte Gesichter. Er korrigierte sich nur einmal, schließlich seien sie ja strenggenommen keine Kollegen mehr. Vor seiner Berufung in das Kabinett von US-Präsident Donald Trump gehörte Sessions 20 Jahre als Senator für Alabama dem Senat an. Er ließ dann bei seiner Anhörung auch noch eine Anekdote zu gemeinsamen Basketballspielen einfließen.

Die Nähe zu den ehemaligen Kollegen im Senat – dem wohl Club-ähnlichsten politischen Organ in Washington, in dem sich die Mitglieder oft seit Jahrzehnten kennen und schätzen – schien Sessions wichtig. Schließlich hatte das Verhältnis in den vergangenen Monaten gelitten. Seit bekannt geworden war, dass Sessions während seiner Anhörungen zur Nominierung als Justizminister zwei Treffen mit dem russischen Botschafter verschwiegen hatte, herrschte vor allem bei den Demokraten Misstrauen gegenüber dem Trump-Vertrauten. Die Anhörung am Dienstag sollte Antworten auf drängende Fragen bringen.

Doch aus der Reserve locken konnte die Opposition den erfahrenen Sessions nicht. Schnell zeigte sich, dass Sessions in seinen 20 Jahren im Senat – in denen er häufig genug auf der anderen Seite ähnlicher Anhörungen saß – gelernt hat, wie man eine Frage beantwortet, ohne eine wirkliche Antwort zu geben und die Runde zum eigenen Vorteil nutzt. Sessions Ziel war es klar, seinen eigenen Ruf wiederherzustellen.

Dass er in geheime Absprachen mit Russland verwickelt sei, sei nach 35 Jahren im Staatsdienst eine "entsetzliche und abscheuliche Lüge", stellte der 70-Jährige überraschend emotional klar – und setzte damit den Ton, mit dem er die vermeintlich harten Fragen der Senatoren an sich abprallen ließ. Auch der Andeutung von Ex-FBI-Chef Comey – der vergangene Woche vor dem Ausschuss ausgesagt hatte –, demzufolge Sessions im April ein drittes Treffen mit russischen Offiziellen während einer öffentlichen Wahlkampfrede von Trump gehabt haben soll, widersprach er. Sessions nahm den Senatoren so früh bei einer entscheidenden Frage den Wind aus den Segeln. Ein solches Treffen habe es nicht gegeben – auch wenn er einen "kurzen Austausch" am Rande der öffentlichen Veranstaltung nicht ausschließen könne.

Comey hatte ein Bild gezeichnet, das viel Anlass zu Spekulationen gab. Sessions setzte dem ein anderes Bild entgegen. Er präsentierte sich als ein Mann der Pflicht, der sich an das Protokoll hält. Die Frage, warum er eine Empfehlung für die Entlassung des FBI-Direktors ausgesprochen hatte, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt bereits aus allen Angelegenheiten in Bezug auf die Russland-Ermittlungen hatte heraushalten wollen, parierte der erfahrene Jurist. Das FBI sei mit einem Budget von acht Milliarden Dollar, 20.000 Angestellten und rund eintausend aktiven Fällen weit mehr als eine einzige Ermittlung, so Sessions trocken. Es sei "absurd", dass er als Justizminister, der der Behörde vorstehe, das FBI aufgrund einer einzigen laufenden Untersuchung nicht verwalten und Personalentscheidungen treffen könne.