Nach dem Bruch Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten mit Katar will sich US-Präsident Donald Trump in den Konflikt zwischen den Verbündeten seines Landes einschalten. Er werde mit allen Beteiligten sprechen, um die Situation zu beruhigen, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses. Auch Russland, die Türkei und Kuwait bemühen sich um Vermittlung in der schwersten diplomatischen Krise in der Region seit Jahren. Sie alle haben wirtschaftliche und politische Interessen in der Region.

Ein ranghoher Vertreter der US-Regierung sagte, man wolle keinen "dauerhaften Bruch" zwischen den Golfstaaten. Sollte es einen Sondergipfel des Golf-Kooperationsrates geben, werde ein Vertreter der USA dazukommen. "Wir wollen sie in die richtige Richtung bringen", sagte er. 

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdoğan riefen nach einem Telefonat zu einem Dialog zwischen den Konfliktparteien auf. Sie forderten dringend einen Kompromiss zwischen Katar und den fünf arabischen Ländern. Das russische Präsidialamt teilte mit, nur so könne Frieden und Stabilität in der Golfregion gewährleistet bleiben. Auch Kuwaits Emir Sabah al-Salim al-Sabah telefonierte mit seinem katarischen Kollegen Tamim bin Hamad al-Thani und forderte diesen laut der Nachrichtenagentur Kunaauf, den Bemühungen um Entspannung "zwischen Brüdern" eine Chance zu geben.

In einer offenbar gemeinsam geplanten Aktion hatten Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch Ägypten alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Später verlautete auch von der international anerkannten Regierung im Jemen, dass sie ihre Verbindungen zu Katar gekappt habe. Die Länder hatten diesen Schritt mit dem Vorwurf begründet, das Emirat finanziere den internationalen Terrorismus.

Die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA hatte unter Berufung auf Regierungskreise gemeldet, Katar wolle Saudi-Arabien spalten. Es unterstütze zudem zahlreiche Terrororganisationen, um die Region zu destabilisieren. Dazu zählten neben der IS-Miliz und den Muslimbrüdern auch Gruppen, die vom schiitischen Iran gefördert würden. In Katar unterhielt die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas ihr Hauptquartier, bis ihre Anführer zur Ausreise aufgefordert wurden. Ende Mai löste ein Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur von Katar unter den Golfstaaten neue Verwicklungen aus. In dem Artikel hieß es, Katars Emir Tamim bin Hamad al-Thani habe die Nachbarländer kritisiert und den schiitischen Iran als Staat gelobt, der zu Stabilität in der Region beitrage. Das katarische Außenministerium teilte danach mit, Hacker hätten einen gefälschten Bericht verbreitet.

Auch die US-Regierung übte in der Vergangenheit Kritik an Katar. Einem Regierungssprecher zufolge seien viele Handlungen des Emirats "einigermaßen besorgniserregend" und das nicht nur in den Augen der Golfstaaten, sondern auch aus US-Sicht. Auch Deutschland hatte Katar in der Vergangenheit vorgeworfen, die IS-Miliz zu unterstützen.

Diplomaten und katarische Bürger müssen ausreisen

Katar wies die Anschuldigungen als Lügen zurück und sprach von einer vorsätzlichen Schwächung des Landes. Das katarische Außenministerium teilte mit, es gebe "keine legitime Rechtfertigung" für den Entschluss der Nachbarländer. Dieser basiere auf haltlosen Vorwürfen ohne jede Faktengrundlage. Katars Bürger würden von der "Verletzung seiner Souveränität" nicht beeinträchtigt. 

Wie der Sender Al-Arabiya berichtete, erklärten die unmittelbaren Nachbarstaaten alle Grenzen für geschlossen und forderten in ihren Staaten lebende Bürger Katars auf, innerhalb von 14 Tagen das Land zu verlassen. Zudem stellten die Fluggesellschaften Etihad Airways, Emirates und Flydubai ab Dienstagmorgen alle Flüge in das Golfemirat ein. Etihad ist die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate, Emirates und Flydubai haben ihren Hauptsitz in Dubai. Grund für diese Maßnahmen sei die "anhaltende Unterstützung des Terrorismus im Jemen und in Syrien" durch den Golfstaat.

Katar ist wie Saudi-Arabien und Ägypten mit den USA verbündet. Das Emirat ist Teil der internationalen Anti-IS-Koalition. Dort befindet sich auch der größte US-Militärstützpunkt der USA in der Region. Das Emirat ist zwar nur halb so groß wie Hessen, aber dank seiner Erdöl- und Erdgasvorkommen ist es eines der reichsten Länder der Welt. Katar hält auch Anteile am Volkswagen-Konzern. Es ist ein wichtiges Luftverkehrsdrehkreuz und soll 2022 Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft sein.