Wie konnte die Krise am Golf so schnell eskalieren? Ohne Ankündigung isolierten Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere ihren Nachbarstaat Katar, brachen Land- und Flugverbindungen ab und zogen ihre Diplomaten zurück. In einer offiziellen Begründung hieß es, Katar unterstütze Terroristen in Syrien und sei zu freundlich im Umgang mit dem Iran.

Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf US-Geheimdienstmitarbeiter, dass russische Hacker für den Abbruch der Beziehungen verantwortlich sein könnten. Laut dem Bericht haben die Hacker eine Falschmeldung in einer staatlichen Nachrichtenagentur von Katar platziert. Diese Falschmeldung sei dann besonders Iran-freundlich und Trump-kritisch ausgefallen. Saudi-Arabien zitierte später aus dieser Falschmeldung, um den Abbruch der Beziehungen zu begründen.

Dem Medienbericht zufolge reisten Experten der US-Bundespolizei FBI Ende Mai nach Katar, um den mutmaßlichen Cyberangriff zu untersuchen. Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sagte CNN, das FBI habe den Hackerangriff und die Fake-News-Geschichte bestätigt. "Was auch immer an Vorwürfen laut geworden ist, alles basiert auf Fehlinformationen", sagte er dem US-Sender.

Sollten sich die Vorwürfe gegen Russland bestätigen, würde dies auf russische Bemühungen zur Untergrabung der US-Außenpolitik hinweisen. Den US-Ermittlern zufolge wollte Russland mit dem Hackerangriff Spannungen zwischen den USA und ihren Verbündeten schüren. Die US-Geheimdienste waren bereits vergangenes Jahr zu dem Schluss gelangt, dass Russland hinter Hackerangriffen während des US-Wahlkampfs steckt.

Russland hat inzwischen den Vorwurf zurückgewiesen, dass die katarische Nachrichtenagentur gehackt zu haben. Er sei es Leid, immer auf solche "Banalitäten" reagieren zu müssen, für die es "keinen Beweis" gebe, sagte Andrej Krutskich, Putins Berater für Cybersicherheit, der Agentur Interfax. Es gebe "null Beweise" für die Vorwürfe.

Ein mögliches Motiv, das Russland an einem Streit zwischen den Golfstaaten und den USA hätte: Katar beherbergt eine der größten US-Militär-Basen der Region. Sie ist wichtig für die US-Interventionen in Syrien. Geostrategisch ist das Land am Golf wichtig. 

Unterstützung für Katar kam vonseiten der Türkei. Staatschef Recep Tayyip Erdoğan sagte in Ankara, die Türkei halte die gegen Katar ergriffenen Sanktionen für "nicht gut". Die Türkei werde ihre Verbindungen zu Katar weiterentwickeln. Katar zu isolieren, werde keinerlei Probleme lösen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief laut Élysée-Palast zur "Einheit und Solidarität" zwischen den Golfstaaten auf und zur Unterstützung "aller Initiativen, die eine Beruhigung begünstigen". Es sei wichtig, "die Stabilität in der Region zu erhalten".