Das türkische Parlament hat die Stationierung von Truppen in Katar beschlossen. Die Abgeordneten billigten ein Verteidigungsabkommen mit dem Golf-Emirat. Angaben zur konkreten Zahl der zu stationierenden Soldaten oder zum Zeitpunkt der Stationierung sind in dem Abkommen bislang nicht enthalten.

Das Vorgehen der Türkei wird als Zeichen der Unterstützung Katars gewertet. Das kleine Emirat am Golf steht derzeit im Zentrum einer diplomatischen Krise, nachdem Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate am Montag ihre diplomatischen Beziehungen mit dem Land abbrachen. Sie werfen Doha vor, Extremistengruppen in der Region zu unterstützen. Bei dem Konflikt am Persischen Golf geht es aber um den Iran. Katar trägt den Kurs Saudi-Arabiens zur Isolation des Iran nicht mit.

Die Türkei unterhält gute Beziehungen zu Katar, aber auch zu anderen Golfstaaten. Das Land verfügt in Katar bereits über eine Militärbasis, auf der bislang 80 Soldaten stationiert sind. Die Militärbasis könnte auf bis zu 3.000 Soldaten aufgestockt werden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die von den arabischen Ländern verhängte Blockade gegen Katar als "nicht gut" bezeichnet. Die Türkei werde ihre Verbindungen zu Katar weiterentwickeln.


Falschmeldung war Anlass für Eskalation

Unterdessen hat Katar einen ersten Bericht über einen mutmaßlichen Hackerangriff auf seine staatliche Nachrichtenagentur veröffentlicht. Die Website der katarischen Nachrichtenagentur sei erstmals im April mit "hochwertiger Technik und innovativen Methoden" gehackt worden, erklärte das katarische Innenministerium am Mittwochabend.

Ende Mai hätten Hacker dann eine Datei installiert und anschließend eine gefälschte Nachricht veröffentlicht, gab Katar bekannt. Darin äußerte sich der Emir des Landes, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, kontrovers über den Iran und Israel. Medien in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten reagierten sofort auf die Nachricht. Saudi-Arabien zitierte später aus dieser Falschmeldung, um den Abbruch der Beziehungen zu begründen. Das katarische Innenministerium machte keine Angaben dazu, wer seiner Meinung nach hinter dem Angriff stecken könnte.

Das FBI vermutet nach Informationen von CNN, dass der Hackerangriff aus Russland gesteuert wurde. Dem Medienbericht zufolge waren Experten der US-Bundespolizei FBI bereits Ende Mai nach Katar gereist, um den mutmaßlichen Cyberangriff zu untersuchen. Ein mögliches Motiv, das Russland an einem Streit zwischen den Golfstaaten und den USA hätte: In Katar gibt es eine der größten US-Militärbasen der Region. Sie ist wichtig für die US-Interventionen in Syrien. Russland hat den Vorwurf zurückgewiesen, die katarische Nachrichtenagentur gehackt zu haben.

Inzwischen hat US-Präsident Donald Trump dem Emir von Katar in der diplomatischen Krise seine Unterstützung angeboten. Trump habe in einem Telefongespräch mit Tamim bin Hamad al-Thani betont, dass die Zusammenarbeit aller Staaten in der Region im Kampf gegen Terror wichtig sei, teilte die US-Regierung mit. Trump habe ein Treffen im Weißen Haus vorgeschlagen, um die Krise zu lösen.

Auch der Emir von Kuwait versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Sabah al-Achmed al-Dschabir al-Sabah ist zu Gesprächen in der katarischen Hauptstadt Doha eingetroffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Kuna berichtete. Zuvor hatte er die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien besucht.