Eine gute Nachricht der Woche kommt aus Kolumbien, und sie steckt in einer Zahl: 7.132. So viele Waffen im Eigentum der Farc-Guerilla hatten die Vereinten Nationen registriert, als die Kämpfer vor ein paar Monaten den Weg zurück ins zivile Leben begannen. Und genauso viele Waffen hat die Farc jetzt der UN übergeben. Das ist ein historisches Ereignis, von Präsident Juan Manuel Santos und der Führung der Farc am Dienstag gebührend gewürdigt durch einen Festakt im Städtchen Mesetas.

Der Ort hat Symbolkraft. Einst war Mesetas ein Zentrum der Guerilla und Schauplatz grausamer Gefechte. Länger als 50 Jahre hat dieser Bürgerkrieg gedauert, in dem mehr als 200.000 Menschen starben, Zehntausende spurlos verschwanden und mehr als sieben Millionen – ein Siebtel der Einwohner – aus ihren Heimatorten vertrieben wurden. Damit soll es nun vorbei sein. Die Farc will sich künftig auf friedlichem Weg, als politische Partei, für ihre Ideale einsetzen. Die Waffen, die ihre Kämpfer abgegeben haben, sollen eingeschmolzen werden und – noch mehr Symbolik – als Baumaterial für Friedensmahnmale in Kolumbien, am Sitz der Vereinten Nationen in New York und in Havanna dienen.

Doch egal, mit welchen Symbolen die ehemaligen Kriegsparteien die Abgabe der Waffen auch begehen: Wie brüchig dieser Friede ist, kann auch die ambitionierteste politische Zeichensprache nicht verdecken.

In den ehemaligen Herrschaftsgebieten der Farc kämpfen nun vielerorts andere bewaffnete Gruppen um die Macht. Es sind rechte Paramilitärs, andere Guerillagruppen und Drogenbanden. Sie haben ihre Gewehre noch, und sie sehen die Entwaffnung der Konkurrenz als Chance, zum Beispiel auf noch mehr Profite aus dem Drogengeschäft. Sie ermorden Aktivisten, lokale Führungspersönlichkeiten, die ihnen etwas entgegensetzen könnten. 37 von ihnen wurden seit dem Friedensschluss zwischen Regierung und Farc schon umgebracht; das bisher letzte Opfer war Mauricio Fernando Vélez, ein Gewerkschaftsfunktionär aus dem Ort Buenos Aires an der kolumbianischen Pazifikküste. Die ELN, nach der Farc die zweitgrößte Guerillagruppe des Landes, mischt mit in diesem brutalen Machtkampf. Sie entführt und mordet weiter, trotz aller Beteuerungen, ebenfalls einen Frieden zu wollen.

Die Gewalt wird bleiben, solange sich im Kokainhandel derart horrende Profite erzielen lassen – und solange es derart leicht bleibt, in Kolumbien an eine Waffe zu kommen. Denn das, was die Farc nun abgegeben hat, ist nur ein Bruchteil des im Umlauf befindlichen Kriegsgeräts. In vielen Regionen ist der Staat weit weg. Er schickt weder Lehrer noch Ärzte dorthin, und er schützt seine Bürger im Zweifel auch nicht.

In ihrem Friedensvertrag machten Farc und Regierung den Bürgern sechs große Versprechen: das Ende des bewaffneten Konflikts; Gerechtigkeit für die Opfer; ein Ende des Drogenanbaus; bessere Chancen für die Bevölkerung auf dem Land, wo viele Bauern immer noch mangels Alternativen Koka anbauen, um ihre Familie durchzubringen; bessere demokratische Teilhabemöglichkeiten; und schließlich – nach einem erfolgreichen Referendum – die Umsetzung und internationale Kontrolle der Verträge.

Derzeit aber hat die Regierung schon Schwierigkeiten, die wichtigsten Gesetze zur Umsetzung des Vertrags durchs Parlament zu bringen. Darunter sind Vorschriften, die den Landbesitz regulieren sollen, oder die Rechtsprechung über Kriegsverbrechen. Sie schnell verabschieden, wäre viel mehr als eine bloße Formalie, denn die Vorhaben berühren genau den Kern des kolumbianischen Konflikts. Ohne eine gerechtere Landverteilung bleibt die große Ungleichheit bestehen, welche die Farc einst zu den Waffen greifen ließ. Und ohne eine gut geregelte Übergangsjustiz wird die Versöhnung des tief gespaltenen Landes noch schwerer gelingen als ohnehin.

El Tiempo, die größte Tageszeitung des Landes, schreibt dazu: "Sollte die Umsetzung (des Friedensvertrags) tatsächlich bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein (wie geplant) – es wäre eine sehr gute Nachricht für die Kolumbianer."

Im kommenden Jahr aber sind Wahlen. Die Zustimmungswerte von Präsident Santos liegen, Friedensvertrag hin oder her, nur um die 20 Prozent. Einer Umfrage zufolge finden gar nur 14 Prozent der Kolumbianer seine Amtsführung gut. Die Armen sähen ihn als Verräter, weil sie nichts spürten vom Frieden, und die Reichen ebenfalls, weil sie Angst haben vor Straflosigkeit, wie María Isabel Rueda in El Tiempo schreibt.

7.132 Waffen wurden bis zum Beginn der Woche niedergelegt; unter ihnen Gewehre, Maschinengewehre, Granatwerfer. Das bleibt eine gute Nachricht, ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Frieden. Aber Kolumbien braucht noch viele solcher Nachrichten, um zur Ruhe zu kommen.