Litauen hat mit dem Bau eines Zauns entlang der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad begonnen. Das teilte das litauische Innenministerium mit. Bis Ende des Jahres soll der knapp 45 Kilometer lange Zaun entlang der EU-Außengrenze abgeschlossen sein. Im Beisein des Innenministers, Eimutis Misiunas, und Vertretern des staatlichen Grenzschutzes wurden jetzt die ersten Zaunpfähle im Grenzort Ramoniskiai aufgestellt. 

Ein Sprecher des Innenministeriums teilte mit, der 1,4 Millionen Euro teure Zaun würde Litauen dabei helfen, Schmuggel und illegale Grenzüberschritte zu bekämpfen. Wenn man eine gut funktionierende Schengen-Zone haben wolle, müsste man auch eine geschützte EU-Außengrenze haben, sagte er.  Aus dem russischen Kaliningrad werden häufig Zigaretten in das EU-Land Litauen geschmuggelt. Die Abzäunung der Exklave hat aber auch andere Gründe, etwa tief reichende Sicherheitsbedenken.

Litauen will nicht die nächste Krim werden

Das Baltikum gehörte früher zur Sowjetunion und damit zu Russlands Einflussgebiet. Seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland im Jahr 2014 sind die Regierungen der baltischen Staaten besorgt über mögliche weitere Handlungen der Großmacht. Als Gegenmaßnahme führte Litauen unter anderem die Wehrpflicht in eingeschränkter Form wieder ein und erhöhte seinen Wehretat. Der jetzt im Bau befindliche Zaun soll stellenweise mit modernen Überwachungssystemen ausgerüstet werden. Bisher sicherte Litauen die Grenze zum Gebiet um das frühere Königsberg mit einem 13 Meter breiten Grenzstreifen.

Dem litauischen Geheimdienst zufolge wäre Russland in der Lage, Litauen oder ein anderes Land des Baltikums innerhalb von 24 bis 48 Stunden anzugreifen. Die Behörde warnte außerdem, dass Provokationen durch Russland, wie beispielsweise die Grenzübertritte während des russischen Militärmanövers im September, im Nachbarland Belarus wahrscheinlich seien. Die Nato hat bereits vier Bataillone in den Mitgliedsländern Litauen, Letland, Estland und Polen stationiert. Russland stationierte währenddessen Iskander-Raketen in Kaliningrad. Diese Raketen können mit Atomsprengköpfen bestückt werden.