Abschuss eines syrischen Flugzeugs durch US-Armee Am Sonntag hat in Syrien ein US-Jet ein Kampfflugzeug der von Russland unterstützten Regierungstruppen abgeschossen. Die russische Regierung spricht von einem "Akt der Aggression". © Foto: Alberto Pizzoli/Getty Images

Die russische Luftwaffe will Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition im syrischen Luftraum westlich des Euphrats künftig als Gegner behandeln. Wo die russische Luftwaffe in Syrien operiere, werde sie jedes fliegende Objekt künftig als Ziel betrachten, meldeten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Das schließe Flugzeuge der US-geführten Koalition in Syrien ein.

Die russische Regierung stoppte demnach auch alle Absprachen mit den USA, die bislang Zwischenfälle im syrischen Luftraum verhindern sollten. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die USA diese Kommunikationskanäle vor dem Abschuss des syrischen Flugzeuges nicht genutzt hätten. Daher beende man ab sofort die Sicherheitszusammenarbeit. Der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow verurteilte den Abschuss als "Akt der Aggression".

Die USA kündigten an, die Situation rasch entspannen zu wollen. Die Sicherheitsvereinbarung für den syrischen Luftraum solle möglichst bald wiederhergestellt werden. Der Kommunikationskanal habe "in den vergangenen acht Monaten sehr gut funktioniert". Deshalb solle in den kommenden Stunden auf diplomatischer und militärischer Ebene darauf hingewirkt werden, diesen Kanal wieder zu eröffnen.

US-Stabschef Joseph Dunford sagte, es habe bereits am Morgen Kontakte gegeben. Nun gehe es darum, die Koordinierung mit Russland im Luftraum über den sogenannten Deeskalationszonen wiederherzustellen. "Das Schlimmste, was wir jetzt tun könnten ist, das überzubewerten", so Dunford. Die USA und Russland seien in der Lage, direkte Feindseligkeiten in Syrien zu vermeiden.

Pentagon argumentiert mit Selbstverteidigung

Das US-Militär hatte am Sonntag erstmals ein Kampfflugzeug der syrischen Luftwaffe abgeschossen. Ein F-18 Super Hornet habe in einem Akt der "kollektiven Selbstverteidigung" für einen Verbündeten gehandelt und einen Jagdbomber des Typs SU-22 der syrischen Regierung getroffen, teilte das Pentagon mit. Grund dafür sei ein Angriff auf die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gewesen, auf die Bomben abgeworfen worden seien. Der Abschuss sei in der Nähe der umkämpften Stadt Tabka erfolgt.

AFP/Getty
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Zerrissenes Land

Mehr als 400.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht Bürgerkrieg.

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Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein.

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Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

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Die kurdisch geführten SDF sind mit der internationalen Koalition verbündet, die von den USA geführt wird und in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" kämpft. Die Regierung in Moskau ist ein enger Unterstützer des Assad-Regimes. Die russische Luftwaffe ist auf Bitten der syrischen Regierung in dem Land. Die USA und andere Staaten setzen ihr Militär dort auf eigenen Entschluss ein. 

In den vergangenen Wochen hatte das US-Militär im Südosten Syriens mehrmals dem Assad-Regime nahestenden Milizen angegriffen. Das Pentagon begründete das damit, dass diese eine Gefahr für US-Soldaten und verbündete Kämpfer dargestellt hätten. Alle drei Vorfälle ereigneten sich nahe Al Tanf, wo rund 150 US-Soldaten oppositionelle Kräfte im Kampf gegen den IS ausbilden.

Manche Beobachter in Washington fürchten, dass die USA schleichend tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen werden und es zu einem direkten militärischen Konflikt mit den Truppen von Assad kommen könnte.

Neue Friedensgespräche im Juli

Russland warnte die USA, die territoriale Integrität Syriens zu respektieren. Bereits im April hatte die Regierung in Moskau die Sicherheitsvereinbarung mit den USA ausgesetzt. Damals reagierte Russland auf einen Raketenangriff der USA, der auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt gezielt hatte. Trotz dieser Ankündigung wurde jedoch weiter über die sogenannte Sicherheitshotline kommuniziert.

Die steigenden Spannungen zwischen den USA und Russland könnten auch Einfluss die für den 10. Juli angesetzten Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana haben. Zu diesen werde auch der UN-Sondergesandte Staffan De Mistura erwartet, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Tass.