Im Mittelmeer sind innerhalb weniger Tage abermals Tausende Migranten von seeuntüchtigen Booten gerettet worden. Bei 18 verschiedenen Rettungsaktionen wurden alleine am Freitag rund 2.000 Menschen geborgen, teilte die italienische Küstenwache mit. Am Samstag kamen mindestens 800 weitere Migranten hinzu, die auf sechs Gummibooten das Mittelmeer von Afrika nach Europa überqueren wollten. Über Tote oder Vermisste wurde zunächst nichts bekannt. Neben Nichtregierungsorganisationen und der Küstenwache waren an den Rettungsaktionen auch die EU-Grenzschutzagentur Frontex und die italienische Marine beteiligt.

Die Hilfsorganisation Save the Children berichtete, dass sich in einigen Booten ein Gemisch aus Meerwasser und Benzin angesammelt hatte, das die Haut schwer verletzt. "Als wir das letzte Boot gestern Nacht fanden, waren viele durchnässt von einem gefährlichen Gemisch aus Benzin und Wasser. Ein paar Stunden mehr und es wäre zu spät gewesen", teilte auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen auf Twitter mit und sprach von verängstigten Menschen. 

Die Küstenwache veröffentlichte Videos, die dramatische Szenen der Rettungen zeigen: Überladene Schlauchboote, Menschen, die in Panik versuchen, selbstständig auf das Speedboot der Rettungskräfte zu gelangen. "Da ist ein Kind, da ist ein Kind", rief einer der Retter und ermahnt die übrigen Migranten, nicht ins Wasser zu springen.

Sieben Meilen von der libyschen Stadt Sabrata entfernt seien am Wochenende zudem 900 Migranten von der Küstenwache des Bürgerkriegslandes gerettet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Adnkronos am Samstag unter Berufung auf die libysche Marine. Von Libyen aus stechen die meisten Flüchtlingsboote in See. Eines der Gummiboote sei kurz davor gewesen, unterzugehen. Allerdings lassen sich diese Zahlen nicht bestätigen. Viele Migranten entfliehen auch menschenverachtenden Umständen in Libyen.

Die zentrale Mittelmeerroute gilt als gefährlichster Seeweg von Afrika nach Europa. Mehr als 1.800 Menschen kamen laut der Internationalen Organisation für Migration seit Jahresbeginn ums Leben oder werden vermisst.