Nach seinen weltweit verurteilten Tests verschiedener ballistischer Raketen in den vergangenen Monaten legt Nordkorea nach: Mehrere "nicht identifizierte Geschosse" seien von der Ostküste Nordkoreas aufs Japanische Meer abgeschossen worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhapunter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Die Raketen seien von der Küstenstadt Wonsan aus gestartet und etwa 200 Kilometer weit geflogen, hieß es in einer entsprechenden Erklärung. Es habe sich vermutlich um Lenkflugkörper gehandelt, die gegen Schiffe eingesetzt werden können. Der US-Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf Militärs, wahrscheinlich seien vier solcher Flugkörper getestet worden.

Anders als ballistische Raketen verfügen Marschflugkörper über einen permanenten eigenen Antrieb. Bei einer niedrigen Flughöhe von unter hundert Metern sind sie vom gegnerischen Radar nur schwer zu orten.

Japan und Südkorea in Schussweite

Die Lage in der Region ist sehr angespannt. Vor allem die Nachbarn Japan und Südkorea fürchten, von Raketen Nordkoreas getroffen zu werden. Das Militär habe den Abschuss umgehend an den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In gemeldet, teilte der Generalstab mit. Seit dessen Amtsübernahme am 10. Mai hatte Nordkorea mehrere ballistische Raketen getestet – zuletzt eine Kurzstreckenrakete, die in den Gewässern der japanischen Wirtschaftszone landete.

Zudem nahm das international isolierte Land nach eigenen Angaben seit 2006 fünf Atomwaffentests vor, davon zwei im vergangenen Jahr. Experten schätzen, dass Nordkorea bereits in der Lage ist, seine Kurzstreckenraketen mit nuklearen Sprengköpfen auszustatten; der genaue Status des Atomwaffenprogramms ist jedoch unklar.

Das Ziel von Staatschef Kim Jong Un ist es, eine Langstreckenrakete zu entwickeln, mit der ein atomarer Sprengkopf bis in die USA getragen werden könnte. Davon ist Nordkorea laut Experten zwar noch mehrere Jahre entfernt, doch jeder Test bringt das Land näher an sein Ziel heran.

Nordkorea missachtet UN-Resolution

Mit dem jüngsten Waffentest scheine Nordkorea "seine Angriffskapazitäten mit verschiedenen Raketentypen" demonstrieren zu wollen, zitierte Yonhap den Sprecher des Generalstabs der Armee, Roh Jae Cheon. Dies sei vermutlich eine Reaktion auf US-koreanische Militärmanöver mit einem US-Flugzeugträger. Nordkorea wolle zeigen, dass seine Raketen feindliche Schiffe präzise treffen könnten. Das kommunistische Land wirft den USA regelmäßig vor, durch Militärübungen mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten.

Die japanische Regierung gab sich gelassen: Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Geschosse diesmal in Japans Wirtschaftszone gelangt seien, sagte Außenminister Fumio Kishida. Japan werde mit den USA und Südkorea den Vorfall analysieren.

Die Tests verstoßen gegen bestehende UN-Resolutionen; die Vereinten Nationen hatten ihre Sanktionen gegen Nordkorea deshalb gerade erst ausgeweitet. Die Vereinigten Staaten drohten zuletzt mit einer möglichen militärischen Reaktion; genau wie Nordkorea testeten die USA in den vergangenen Wochen eine Flugabwehrrakete. Auch Japan hatte zuletzt mit Abschreckungsmaßnahmen gedroht und sich auf sein Bündnis mit den USA berufen.