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18. Juni 2017 vor 6 Monaten aktualisiert
© Christophe Archambault/AFP POOL/AP/dpa

Parlamentswahl in Frankreich: Macrons Partei holt absolute Mehrheit

La République en Marche, Partei von Emmanuel Macron, gewinnt laut Hochrechnungen die zweite Runde der Parlamentswahl klar. Unser Liveblog zum Nachlesen

La République en Marche (LRM), die Partei des französischen Präsidenten, hat eine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung bekommen. Laut einer Hochrechnung des Umfrageinstituts Ipsos erreicht LRM rund 355 von 577 Sitzen. Die zweitstärkste Kraft, die bürgerlich-rechten Republikaner, kommt auf 125 Sitze.

Diese deutliche Mehrheit wird Emmanuel Macron die Möglichkeit geben, seine Reformpläne umzusetzen, ohne auf die Stimmen anderer Parteien angewiesen zu sein.

Bemerkenswert war die äußerst niedrige Wahlbeteiligung: Ipsos sieht sie bei rund 43 Prozent. Das wäre ein neuer Tiefstand in der Geschichte der 1958 gegründeten Fünften Republik. 47 Millionen Franzosen waren zur Wahl aufgerufen.

  • 20:56 Uhr
    Fabian Federl

    Die ersten Hochrechnungen sind da und so viel wird sich jetzt bis zum Endergebnis nicht ändern. Macrons Partei hat gewonnen, deutlich. Aber weniger deutlich als erwartet.


    355 Sitze sind eine starke absolute Mehrheit. Sie sind aber nicht die bis zu 470, die erwartet wurden. Das wäre ein Rekord gewesen.

    In der Nacht wird das Ergebnis noch einmal aktualisiert, an der Konsequenz ändert sich aber nicht viel: Emmanuel Macron wird durchregieren können, ohne Hilfe anderer Parteien, selbst ohne seinen eigenen Koalitionspartner, der zentristischen MoDem von François Bayrou. 

    Eine schwache Opposition heißt aber nicht, dass es keine gibt. In Senat, Regionen, Départements und Kommunen hat Macron keine Mehrheit. Und vor allem auf der Straße formiert sich schon jetzt eine Opposition gegen seine geplante Arbeitsreform – der nächste Schritt.

  • 20:30 Uhr
    Annika Joeres

    Die Linken haben einen Promi in ihren Reihen: Der in Frankreich sehr populäre Regisseur François Ruffin wurde für seinen Film Merci Patron! (zu Deutsch: Danke, Chef!) mit vielen Preisen ausgezeichnet, eine halbe Million Menschen sahen das Stück im Kino, in dem er die Ausbeutung von Mitarbeitern anprangert. 

    Am Sonntag wurde er Abgeordneter für die linken Insoumises und hat angekündigt, dass mit ihm "das Volk" ins Parlament einziehe. Ruffin möchte Firmen verstaatlichen und tritt gegen Wirtschaftswachstum ein. Er selbst will sich als Abgeordneter nur den Mindestlohn zahlen.

  • 20:26 Uhr
    Fabian Federl

    Der Vizechef des Front National verpasst den Einzug ins Parlament. Und zwar deutlich. Das ist für den Front National besonders hart, weil sich um seine Person in den vergangenen Wochen eine große Diskussion über die Zukunft des FN entfacht hat. 

  • 20:03 Uhr
    Fabian Federl

    Die ersten Hochrechnungen des Umfrageinstituts Ipsos sind da. Die Sitzverteilung sieht wie folgt aus:


    La République en Marche: 355
    Republikaner: 125
    Parti socialiste: 49
    France insoumise: 30
    Front National: 8
    Andere: 10



  • 19:44 Uhr
    Annika Joeres

    Die Sozialisten werden wohl am meisten zu besprechen haben nach dieser Wahl. Mehr als zweihundert Abgeordnete könnten sie verlieren. Schon jetzt haben sie drei außerordentliche Krisensitzungen anberaumt. 

    Schon bei der Präsidentschaftswahl hatten die Sozialisten ihre Rolle als stärkste linke Kraft an den linken Politiker Jean-Luc Mélenchon abgegeben. Nun müssen sie sich fragen, ob sie mit oder ohne ihn eine linke Opposition aufbauen wollen. 

    Das Problem: Mélenchon ist ein Ex-Sozialist; er und seine Ex-Partei haben eine Hassliebe füreinander entwickelt. Und die nach dem Zerfall der Partei übrig gebliebenen Sozialisten stehen politisch Mélenchon am nächsten. Auf der anderen Seite des sozialistischen Spektrums sind die wirtschaftsliberaleren Kräfte längst zu Macron übergelaufen.

  • 19:33 Uhr
    Rieke Havertz

    Auf Twitter trendet der Hashtag #participation verbunden mit der Frage vieler User, ob diese zweite Runde der Parlamentswahlen ob der niedrigen Wahlbeteiligung noch eine demokratische ist. Begleitet werden die Tweets von Bildern von Wahlzetteln, die vier Stempel aufweisen – Beleg derjenigen, die sowohl bei der Präsidentschaftswahl als auch bei den Parlamentswahlen in beiden Durchgängen gewählt haben.

  • 19:29 Uhr
    Annika Joeres

    Emmanuel Macron wird wohl nur eine sehr kleine Opposition im Parlament gegenüberstehen. Die Presse hingegen wird nun noch wichtiger. Der Präsident ist ein Kommunikationsprofi und möchte alles kontrollieren. Vor der zweiten Wahlrunde forderten 13 Medien in einem offenen Brief die Regierung dazu auf, der Presse ihre unbegrenzte Freiheit einzuräumen. 

    Grund war, dass Macron Journalisten auswählen wollte, die ihn zu Ereignissen begleiten sollten. Sein Justizminister beschwerte sich außerdem bei Redaktionen, weil sie zu fiktiven Arbeitsstellen von En-Marche-Mitgliedern recherchiert hatten, und seine Arbeitsministerin klagte gegen Journalisten wegen Geheimnisverrats, weil sie interne Papiere über seine Arbeitsrechtsreform publik gemacht hatten.

  • 19:28 Uhr
    Ute Brandenburger

    Die Mehrheit in der Nationalversammlung scheint Präsident Macron sicher. Doch wenn er seine Arbeitsmarktreformen durchsetzen will, könnte ihm Unmut drohen. Von wem, hat ZEIT-ONLINE-Korrespondentin Annika Joeres im Video zusammengefasst:


  • 18:52 Uhr
    Fabian Federl

    Die französische Tageszeitung Libération hat die relative Überraschungsarmut dieses Wahlgangs so gelöst, dass sie den Wahlblog einfach vorgeschrieben hat. Mit Uhrzeiten. Es ist noch früh, aber bisher hat Libération recht. 

  • 18:46 Uhr
    Fabian Federl

    Das französische Umfrageinstitut Ipsos prognostiziert für diese Runde eine Wahlbeteiligung von 43,4 Prozent. Das ist, wie schon erwähnt, der historisch niedrigste Wert für eine französische Parlamentswahl.

  • 18:40 Uhr
    Fabian Federl


    Beim Durchforsten der Bildagenturen eindeutig die schönste Wahlkabine bisher.

  • 18:34 Uhr
    Annika Joeres

    Viele langjährige Abgeordnete, seit Jahrzehnten für Sozialisten oder Republikaner im Parlament, werden heute ihren Sitz verlieren. Eine Hoffnungsträgerin der Konservativen hat der Wahlkampf in dieser Woche sogar ins Krankenhaus gebracht: Die Republikanerin Nathalie Kosciusko-Morizet (NKM) verteilte Werbung auf einem Markt ihres Pariser Wahlbezirks, als ihr ein Mann einen Stapel Flyer ins Gesicht schleuderte. NKM verlor das Bewusstsein. 

    War es die Hitze, die Überraschung oder die Geste des Mannes? Das werden nun die Gerichte klären. Der Täter wird heute verhört, es ist ausgerechnet ein parteiloser Bürgermeister eines kleinen Dorfes vor Paris. Fest steht, dass NKM am vergangenen Wochenende nur fast halb so viele Stimmen erhielt wie der Macron-Kandidat – in einem eigentlich sicheren Wahlkreis für die Konservativen. Da kann einem schon mal schwindlig werden.

  • 18:26 Uhr
    Fabian Federl


    Emmanuel Macron wählte, gar nicht so weit entfernt von Marine Le Pen, im nordfranzösischen Badeort Le Touquet.

  • 18:26 Uhr
    Ute Brandenburger

    Viele Franzosen sind heute lieber zu Hause geblieben. Bis 17 Uhr hatten 35,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Ein Kamerateam der Nachrichtenagentur AFP hat die Ruhe in einem Wahllokal in Évreux in der Normandie eingefangen.




  • 18:23 Uhr
    Fabian Federl

    Marine Le Pen von der Front National gibt am 18.06.2017 in Henin Beaumont (Frankreich) ihre Stimme für die Finalrunde der Parlamentswahl in einem Wahllokal ab. Heute entscheiden die Franzosen über die Machtverteilung in der Nationalversammlung.


    Marine Le Pen gab ihre Stimme in Hénin-Beaumont in Nordfrankreich ab.

  • 18:05 Uhr
    Annika Joeres

    Bleibt die Wahlbeteiligung so niedrig wie jetzt, werden einige Kandidaten ins Parlament kommen, obwohl sie weniger als 25 Prozent der Stimmen der jeweiligen Wahlberechtigten bekamen. Das ist ein Problem für Repräsentation und damit Demokratie.

    Viele französische Politiker und Wissenschaftler fordern nun, Franzosen gesetzlich zu verpflichten, wählen zu gehen. "Eine Pflicht hätte gleich zwei positive Folgen", sagt Gilles Finchelstein, Generaldirektor der sozialdemokratischen Stiftung Jean-Jaurès. "Erstens würden sich die Bürger wieder mehr für Politik interessieren. Und Politiker wiederum würden sich um die Stimmen von armen und arbeitslosen Bürgern bemühen, die bislang kaum wählen gehen."

    Schon 2015 hatte eine parlamentarische Arbeitsgruppe eine Wahlpflicht gefordert, wie sie beispielsweise in Belgien und Luxemburg existiert. 

  • 18:04 Uhr
    Fabian Federl

    Willkommen im Liveblog zur Stichwahl der französischen Parlamentswahlen. Der mittlerweile vierten Wahl in Frankreich innerhalb von zwei Monaten. Das Wahlsystem verlangt das so. Erst der Präsident, dann das Parlament. In je zwei Runden.

    Der Wahlbeteiligung tut das erfahrungsgemäß nicht sonderlich gut. Sie ist auch heute wieder niedrig. Der 17-Uhr-Wert von 35,3 Prozent ist noch mal fünf Prozent niedriger als in der ersten Runde vor einer Woche, elf Prozent weniger als vor fünf Jahren. Es ist der niedrigste Wert seit Gründung der Fünften Republik.

    Ein zweiter Grund für die schlechte Wahlbeteiligung ist ein weiterer Superlativ: Emmanuel Macrons junge Partei La République en Marche hat heute die Aussicht auf die größte Anzahl an Sitzen im französischen Parlament seit Gründung ebenjener Fünften Republik. Und das ist schon seit Wochen klar. Motivationsfördernd ist das nicht. Weder für die Opposition – die keine Chance mehr hat – noch für die vermutlich sieggreichen Macronisten.

    Wenn die Umfragen stimmen – und in Frankreich war das bisher meist der Fall –, wird Frankreich ein nahezu oppositionsloses Parlament bekommen. Eines, in dem nur die bürgerlich-rechten Republikaner eine hörbare Gegenstimme haben. Eines, in dem weder der Front National noch die Linken von France insoumise auch nur annähernd so repräsentiert sind, wie die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl das nahegelegt hätten. Auch wieder eine Konsequenz des Mehrheitswahlrechts. Aber dazu später mehr.

    Erst mal ein kleiner Ausblick: Die meisten Wahllokale schließen um 19 Uhr, in den Städten um 20 Uhr. Wenige Minuten später werden die ersten Prognosen auf Basis von Nachwahlbefragungen veröffentlicht. Erfahrungsgemäß liegen die sehr nah am Endergebnis.

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