Die Bewohner der Karibikinsel Puerto Rico haben sich in einer Volksabstimmung für die Umwandlung des US-Territoriums in den 51. Bundesstaat der USA ausgesprochen. Das Referendum vom Sonntag ist jedoch nicht bindend, nur der Kongress in Washington kann darüber entscheiden. Bislang ist die frühere spanische Kolonie lediglich assoziierter Freistaat der USA.

Nach Auszählung von über 90 Prozent der abgegebenen Stimmzettel lagen die Befürworter der Umwandlung in einen US-Staat mit 97,2 Prozent der Stimmen vorn. Die Wahlbeteiligung lag bei nur knapp 23 Prozent, auch wegen eines Boykottaufrufs der Opposition. Den Wählern stand auch die Unabhängigkeit als weitere Option offen.

Es ist schon das fünfte Plebiszit über die Zukunft der östlich der Dominikanischen Republik gelegenen spanischsprachigen Insel mit rund 3,4 Millionen Einwohnern. Bisher hatte der Status quo dreimal gesiegt, beim Plebiszit vor fünf Jahren hatte sich eine knappe Mehrheit für eine Zukunft als US-Staat ausgesprochen. Doch blieb die Entscheidung des US-Kongresses aus.

Die Puerto Ricaner sind US-Bürger, sie dürfen aber nicht an der Präsidentschaftswahl teilnehmen. Ihre Delegierten im US-Kongress haben kein Stimmrecht. Kritiker sprechen von einem kolonialen System, die regierende Neue Progressive Partei (PNP) will das nun ändern.

Neben den politischen Mitbestimmungsrechten geht es bei der Statusänderung Puerto Ricos auch um viel Geld: Die Insel hat mehr als 70 Milliarden US-Dollar Schulden und ist praktisch pleite. Als offizieller Bundesstaat der USA könnte sich die Insel nach US-Insolvenzrecht für zahlungsunfähig erklären, wie es beispielsweise die Stadt Detroit getan hat. Das Referendum stand im Zeichen der schweren Wirtschaftskrise, die Puerto Rico an den Rand des Bankrotts gebracht und zu einer großen Auswanderungsbewegung aufs US-Festland geführt hat.

Die republikanische Mehrheit im US-Kongress dürfte jedoch wenig Interesse an der Aufnahme der Karibikinsel haben. Nicht nur, weil dies die Übernahme eines Teils von Puerto Ricos Schulden durch Bundesmittel mit sich bringen könnte, sondern auch, weil die 3,4 Millionen Puerto Ricaner vermutlich mehrheitlich demokratisch wählen würden.